Customer Review:
Mein Schmerz trägt deinen Namen
Die Problematik von asylsuchenden Ausländern in Deutschland ist gut dargelegt. Es kommt auch zum Ausdruck, dass viele von Komfort und leichten Leben hier beeindruckt sind, auch aus diesem Grund nicht zurück in ihr Land wollen, dabei aber die Traditionen und Lebensweisen beibehalten.
Vieles wurde aber auch nicht beleuchtet. Beim Lesen tauchen viele Fragen auf, welche das Buch nicht beantwortet.
Nicht unbedingt empfehlenswert.
Eine wirklich ergreifende Geschichte
Mich hat dieses Buch wirklich tief betroffen gemacht. Von der Zwangsehe, über die Flucht nach Deutschland der (erfolgreichen) schwierigen Integration (als Frau und Mutter muslimischer Herkunft!)und den schlimmen Verlust ihrer Tochter erzählt Hanife Gashi sehr eindrucksvoll ihr Leben.
Sogar meine Mutter (die ein absoluter Lesemuffel ist) hat dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen. Kann ich wirklich empfehlen.
Integration und Identität
Hanife Gashi beschreibt eine Welt, die in Deutschland existiert und von den Kreisen der Bevölkerung, die mit Ausländern keinen nennenswerten (Urlaubsaufenthalte an sich sind gewiß nicht nennenswert in diesem Zusammenhang) Kontakt haben. Gemessen an Standards westeuropäischer Demokratie erlebte die Autorin eine Welt von permanenter Unterdrückung und Erniedrigung. Umsomehr kommt Achtung vor ihrer Lebensleistung mit Kindern, beruflichem Engagement und Schule auf, wenn man ihr Buch liest.
Man könnte sich vorstellen, daß ihre Schilderungen in vollem Umfang die z. T. grimmigen Darstellungen von feministischer Seite über Westeuropa bestätigen: Frauen werden (nur) unterdrückt, Männer haben (zu)viele Rechte und schlagen Frauen. Diese Welt existiert bei uns tatsächlich.
Sie stellt aber noch nicht das ganze Bild der Wirklichkeit dar. Der im Buch erwähnte schließlich wegen Mordes verurteilte Mann kann seine Tat nicht rechtfertigen. Doch statt ihn (ausschließlich) als Untier darzustellen, wäre auch eine andere Sicht denkbar. Seine ihm anerzogene Kultur verlangte von ihm ein bestimmtes Verhalten und dies ließ nicht zu, daß seine Familienangehörigen sich zu weit von der Kultur in seiner Heimat entfernen. Wenn man dafür Verständnis aufbringt, ohne ihn gleich zu rechtfertigen, dann erscheint es im nachhinein nicht angemessen, wenn seine Familienangehörigen sich so verhalten (haben), daß er sich provoziert fühlte. Dieser Aspekt wird im Buch nicht angemessen erwähnt. Er hat dennoch Bedeutung, weil gravierende Veränderungen in der kulturellen Umgebung von Menschen auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt werden müssen, um ihrer Identität eine Chance zu geben.
Unsere eher materialistische Gesellschaftsordnung mit ihrem Mangel an menschlichen Werten kann dies nur unzureichend berücksichtigen.
Books: