Der Baader Meinhof Komplex.

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Der Baader Meinhof Komplex.


Authors: Stefan Aust
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: August 1998
Publisher: Goldmann
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Der Klassiker
Der Baader Meinhof Komplex ist das Standardwerk über die Geschichte der Rote Armee Fraktion (RAF), der einzigen echten deutschen Terroristenvereinigung. Stefan Aust beschreibt die Entstehung dieser terroristischen Vereinigung, ihr Wirken und das Ende der Führenden Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof im Gefängnis von Stuttgart Stammheim.

Stefan Aust ist Journalist, und Chefredakteur des Spiegels. Er begann seine journalistische Arbeit bei Konkret in Hamburg, wechselte dann zum NDR, und gründete 1988 Spiegel TV. Seit 1994 ist er Chefredakteur des Spiegel.

Das Buch, eigentlich chronologisch aufgebaut, beginnt mit der Todes-, und der Geburtstunde der RAF. Das erste Unterkapitel beschreibt die Auffindung der toten Terroristenführer Baader, Ensslin, Raspe und Möller in ihren Gefängniszellen in Stammheim, am 18.10.1977. Obwohl die RAF auch nach dem Tot dieser ersten Generation weiterexistierte, wird dieser kollektive Selbstmord heute als Todesstunde der Vereinigung betrachtet. Das zweite Unterkapitel springt sieben Jahre in der Zeit zurück, und erläutert die Befreiung Andreas Baaders aus der Haft durch Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und drei weitere Mitglieder ihrer Gruppe, im Jahre 1970. Diese Befreiungsaktion wird als Geburtsstunde der RAF angesehen.
Im Folgenden geht Stefan Aust in seiner Schilderung der Ereignisse chronologisch vor. Von Zeit zu Zeit erlaubt er sich allerdings kleiner Ausschweifungen in die Vergangenheit, bzw. die Zukunft, wenn dadurch das aktuell Beschriebene besser verstanden und eingeordnet werden kann.

Das Buch ist in 5 Großkapitel gegliedert, die jeweils zwischen 25 und 50 kurze (In manchen Fällen keine ganze Seite lange) Unterkapitel beinhalten.
Das erste Kapitel (ca. 100 Seiten) beschreibt die Entstehung der RAF. Dazu werden zunächst die persönlichen Hintergründe der wichtigsten Figuren, Baader, Meinhof und Ensslin, sowie ihre Politisierung und Radikalisierung in je zwei Unterkapiteln beschrieben. Weiteren wichtigen Figuren der Fraktion, wird immer dann ein kurzes Einführungskapitel gewidmet, wenn sie zum ersten Mal auftreten. Auf den folgenden Seiten wird die Entwicklung der losen Vereinigung von einfachen Demonstrationen, über das Pudding-Attentat und die erste kleine Brandstiftung, bis zur Befreiung Baaders, und dem damit verbundenen abtauchen in der Untergrund beschrieben.
Kapitel zwei (ca. 140 Seiten) widmet sich den Jahren 1970-1972, in denen die RAF aktiv war. Die Entwicklung innerhalb der Gruppe wird dabei ebenso dargestellt, wie die verschiedenen Aktionen, von ersten Banküberfällen über die ersten Morde bis zur Verhaftung.
Die Zeit von der Verhaftung bis zum Prozessbeginn im Jahr 1975, werden im dritten Kapitel auf knapp 70 Seiten beschrieben.
Der große Prozess, der sich über die Jahre 1975-1977 hinzog, wird schließlich ausführlich im vierten Kapitel (ca. 150 Seiten) mitverfolgt.
Das finale fünfte Kapitel widmet sich schließlich dem heißen Herbst des Jahres 1977. Das Urteil über die Gefangen ist gesprochen, nun will die zweite Generation der RAF sie aus dem Gefängnis freipressen. Dazu wird der Präsidenten der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, Hanns Martin Schleyer, entführt, einen Monat später auch noch das Lufthansa Flugzeug Landshut, mit 89 Zivilisten. Es endet mit der Stürmung der Landshut, dem Selbstmord der Gefangenen und der Ermordung Schleyers. Die weitere Entwicklung der RAF in den Achtzigern und frühen Neunzigern, ohne die führenden Köpfe der ersten beiden Generationen, wird nur noch anhand einiger Stichpunkte wiedergegeben.

Stefan Aust hat die aktiven Jahre der RAF selbst als Journalist miterlebt. Zu seinen eignen Erfahrungen sichtete er über die Jahre zusätzlich Tonnen von Akten, und führte Gespräche mit beteiligten Terroristen und Beamten. Nach der Wiedervereinigung konnte er zudem Akten der Staatssicherheit der DDR einsehen, und arbeitete Diese, sowie weitere neue Erkenntnisse, in die aktualisierte und erweiterte Ausgabe von 1997 ein.
Die Masse an Daten und Fakten, die für dieses Werk zusammengetragen und verknüpft wurden, machen es zu dem Standardwerk zum Thema RAF. Durch die Aktualisierung, 20 Jahre nach dem heißen Herbst, wurde es sogar noch um zwei wichtige Gesichtspunkte reicher: Zum einen war die Stasi genau über die Vorgänge und Aktionen der zweiten RAF-Generation informiert. Durch die Verarbeitung der Stasi-Akten war es also möglich, ihre aktiven Jahre viel genauer zu beschreiben. Zum anderen werden das Versagen und die Stümperei der staatlichen Behörden, besonders im Fall der Schleyer-Entführung, erst in der aktualisierten Version im vollen Ausmaß offengelegt. Dies ist damit begründet, dass in manchen Punkten regelrechte Vertuschungsaktionen der Behörden eingeleitet wurden. Dadurch war das ganze Ausmaß dieser Fehler zum Erscheinen der ersten Auflage, im Jahr 1985, noch nicht ersichtlich.

Zu der Inhaltlichen Stärke kommt, dass Aust es vortrefflich verstanden hat, das Buch über mehr als 600 Seiten spannend und leicht lesbar zu halten. Dies erreichte er zum einen durch die sehr gute Gliederung in 5 Groß-, und jeweils 25-50 Unterkapitel, aber auch durch die einfache und gut verständliche Sprache. Dadurch strengt das Lesen nicht an, und vor allem wird es niemals langweilig.

Der Baader Meinhof Komplex ist ein Klassiker der jungen deutschen Zeitgeschichte, und das Standardwerk zum Thema RAF. Das Thema wird perfekt aufgearbeitet, und hervorragend präsentiert. Der Informationsfluss reißt niemals ab, es ist spannend und fesselnd wie ein guter Krimi, und lässt sich zudem sehr gut lesen.
Spannend, penibel recherchiert aber mit Erklärungslücken
Eins vorweg: So penibel recherchiert, so exakt in der Chronologie und dabei so spannend aufgearbeitet muss ein journalistisches Buch sein.

Aber es gab auch einige Erwartungen von mir, die nicht erfüllt wurden. Zunächst zu dem Positiven: Den Verlauf der Geschehnisse umreisst Aust exakt, teilweise quälend detailliert, zum Beispiel wenn es um den Verlauf des Stammheimer Prozesses geht. Da werden tagesgenau Zitate aus dem Gerichtsprotokoll geliefert, der Verfall der inhaftierten Terroristen und gleichzeitig des Rechtsstaates dokumentiert.

Auf der anderen Seite, wird das, was ich eigentlich von Interesse fand, eher vernachlässigt. Wie kam es zur Radikalisierung der RAF-Mitglieder? Wie konnten die aus tiefem christlichen Milieu stammenden Ennslin und Meinhof eine so unmenschliche Einstellung gewinnen? Und warum konnte ein Baader, wie ihn Aust beschreibt, nur aufgrund eines ausgeprägten Geltungs- und Machtbedürfnisses heraus, so radikal gegen sich selbst agieren?

Vor allem wird nicht deutlich, wie diese kleine Vereinigung wie die junge RAF eine solche Bedrohung für den Staat werden konnte. Die Maßnahmen, die Aust beschreibt stehen (wenigstens zu Beginn seiner Schilderung) in keinem Verhältnis zu den Taten der Baader-Meinhof-Gruppe. Da hätte es einiger Hintergründe bedurft, doch leider konzentriert sich sein Buch in dieser Phase ausschließlich auf die Terroristen.

Als Aust sein Buch geschrieben hat, mögen diese Zusammenhänge noch klar gewesen sein. Mir haben sie sich nicht erschlossen. Da ich ein Jahr vor dem "Deutschen Herbst" erst geboren wurde, wollte ich mir durch dieses Buch die damalige Situation erschließen, es ist mir leider nicht gelungen.

Was blieb, war die spannende Darstellung einer heute unvorstellbaren politischen Radikalität. Eine Parteinahme zugunsten der Terroristen konnte ich nicht erkennen. Aust distanziert sich genauso deutlich von den Tätern, wie von ihren Richtern. In jedem Wort betont er aber seine Sicht von einem Rechtsstaat, die im Stammheim-Prozess karikiert wurde.

Dieser Punkt sollte heute mehr denn je beachtet werden, wo sich Regierungen und Staaten als moralische Instanz inszenieren, ohne selbst die grundlegenden Menschenrechte zu achten.
Spannende Geschichtsverklärung
Ich habe das Buch verschlungen, als es 1985 erschien. Spannend geschrieben wie ein Krimi, was bei Aust ja nicht verwunderlich ist. Allerdings, und das ist ein Manko, gelingt es Aust nicht, ausreichend Distanz zum Thema zu wahren. Aust verklärt die Taten (=Morde), versucht sie als logische Folge der gesellschaftlichen Entwicklungen zu entschuldigen (nicht zu eklären, denn eine wissenschaftliche Auseinandersetzung passiert hier nicht). Spekulationen werden zu Tatsachen, die Mordtheorie allzu willentlich aufgenommen, um dem Buch noch einen extra Kick (und mehr Verkaufsargumente) zu verpassen. Von einem Standard zu sprechen, verbietet sich. Mörder werden von ihm als falsch verstandene Helden der Arbeiterbewegung portraitiert - auch weil Aust nicht die Absicht hatte, sich eingehend und vor allem kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen. 5 Punkte für die spannende Umsetzung, null Punkte für den Inhalt.

Books:

  1. Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF
  2. 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewußtsein der Deutschen
  3. Mein Schmerz trägt deinen Namen. Ein Ehrenmord in Deutschland
  4. Facts of Life
  5. Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie. Merkmale, Strategien und Auswirkungen
  6. Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt
  7. Presserecht kurz und bündig. Ein Leitfaden mit praktischen Tips für Journalisten
  8. Virtualität als neue Form der Verführung
  9. Autoradios für Kurzwellenhörer. Tips für den KW- Weltempfang und UKW- Fernempfang im Auto
  10. Spannungswechesel. Mediale Zäsuren zwischen den Medienumbrüchen 1900 / 2000

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