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Wüste Polemik ohne ökonomischen Sachverstand
Das Buch ist eine Polemik gegen freie Wechselkurse, freien Kapitalverkehr,
freie Notenbanken, die WTO, den IWF etc. Es fehlt nur die Polemik gegen freie Wahlen. Lafontaine fordert eine Weltplanwirtschaftsbehörde, die alle Wechselkurse fixieren soll - ökonomischer Grössenwahn.
Ein überflüssiges Buch
Dieses Buch voller Allgemeinheiten und Allgemeinplätze hätte Herr Lafontaine sich besser verkniffen - was nicht bedeutet, daß ich seine Meinung im Grundsatz nicht teile. Aber man kommt den Ursachen der Krise, in der wir uns befinden, nicht auf die Spur, indem man auf 270 Seiten jedes, aber auch wirklich jedes tagespolitische Thema, das sich nur denken läßt, im Vorbeigehen anreißt und mit der Gebärde des Gerechtigkeitsfanatikers ein paar simple Verbesserungsvorschläge macht, die auf Grund der realen Verteilung der Macht und dem bekannten Desinteresse an einer Politik, die dem Menschen dient, Luftschlösser bleiben müssen. Politische Entwicklungen werden durch „wachsende Wut" kaum beeinflußt; sonst würden sie beliebigen Stimmungslagen angepaßt werden. Nein, die Problemstellungen sind verzwickter, die Lösungen diffiziler, als Lafontaine sie darstellt. Und somit führt sein Buch nicht über das hinaus, was wir ohnehin schon wissen; man muß es nicht lesen und erst recht nicht besitzen.
Aufzählung von Symptomen
Genau genommen, schlägt das menschliche Herz gar nicht links, sondern eher in der Mitte, aber das nur am Rande.
Oskar Lafontaine will mit diesem Buch die politische "Linke" in Deutschland aufrütteln, will sie aus ihrer Lethargie reißen, damit sie wieder ein Gegengewicht bilden kann, ein Gegenwicht zu imperialistischer Außenpolitik und Demontage des Sozialstaats.
Um die Orientierungslosigkeit der linken Politiker deutlich zu machen, werden die außen- und innenpolitischen Entscheidungen der Regierung Schröder seit Lafontaines Abgang 1999 an den Pranger gestellt, insbesondere die opportunistische Haltung zur amerikanischen Außenpolitik und der immer deutlicher werdende Neoliberalismus in der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Dabei wirft er dem linken Flügel der SPD vor, nur noch als Handlanger von Schröders und Blairs "Neuer Mitte" zu fungieren und keine eigenen Akzente mehr zu setzen.
In der ersten Hälfte des Buches setzt sich Lafontaine mit den USA außeinander, die in seinen Augen schamlos ihre wirtschaftlichen Interessen durch "Indianerkriege" durchsetzen wollen.
Der so postulierte "Kampf gegen den Terror" sei im Grunde genommen nichts anderes, als die Sicherung der Ölvorkommen für die amerikanische Wirtschaft. Die aktuelle Politik der USA im Nahen Osten werde den Terror nicht beseitigen, sondern eher verschärfen. Angeprangert werden ebenso Amerikas Rolle als führender Waffenexporteur in der Welt sowie die Missachtungen des Völkerrechts und der Völkergemeinschaft. Auch IWF, Weltbank und WTO bekommen als "verlängerter Arm der Wall Street" ihr Fett weg.
Dieser Teil des Buches erzählt im Grunde genommen wenig Neues und lässt den Leser etwas ratlos zurück.
Die zweite Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dem Aufgang des Neoliberalismus in der SPD.
Aus einer Partei des sozialen Ausgleichs sei klammheimlich eine Partei geworden, die im Grunde nur noch den Interessen der Wirtschaft diene, insbesondere den Interessen des Großkapitals. Unter dem Deckmantel Marktwirtschaft würde der Weg für die "Starken" der Gesellschaft freigemacht, während die Interessen der "Schwachen" zunehmend ins Abseits gerieten.
Die Maximen des Neoliberalismus "Privatisierung, Deregulierung und Flexibilisierung" dienten einzig und allein dazu, Macht und Reichtum in den Händen weniger zu konzentrieren.
Insgesamt ist dieser Teil des Buches wesentlich interessanter und hebt sich wohltuend vom täglichen journalistischen Einerlei der Tageszeitungen ab, ohne allerdings vollständig zu überzeugen.
Mich hat das Buch ein wenig enttäuscht. Es enthält zwar eine Menge Anklagen, jedoch werden im Grunde nur Symptome aufgezählt. Über die Ursachen lässt sich Oskar Lafontaine nicht weiter aus, auch fehlen handfeste Lösungsvorschläge.
Leider stellt auch er das Dogma des ewigen Wirtschaftswachstums nicht in Frage, auch bei ihm lautet die Lösung "wir brauchen mehr Wirtschaftswachstum".
Das in seinen Augen dieses Wachstum nicht neoliberalistisch auf der Angebotsseite, sondern keynesianisch auf der Nachfrageseite entstehen soll, ändert daran nichts.
Auch wenn durch die Schließung von Steuerschlupflöchern und Kapitalfluchtmöglichkeiten bei gleichzeitiger Besteuerung von Vermögen, Gewinnen, Zinsen und Spekulationsgewinnen die Verteilung der Wirtschaftsleistung wieder ein wenig gerechter werden sollte: An der grundsätzlichen Einsicht, daß die Wirtschaftsleistung nicht mit exponentiellen Raten bis ins Unendliche wachsen kann, ändert das nichts.
Hier hätte ich mir eine grundsätzliche Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem gewünscht.
Durch die ständig wachsenden Ansprüche des Kapitals auf leistungsfreie Einkommen aus Zins und Zinseszins ist dieses System auf ein ständiges Wachstum der Wirtschaftsleistung angewiesen, damit es nicht zum Zusammenbruch kommt. Die reale Wirtschaft in einer endlichen Welt ist hierzu aber nicht in der Lage, das Ende des Systems unvermeidlich.
Wer sich diesbezüglich informieren möchte, dem sei das Buch "Die blinden Flecken der Ökonomie" von Bernd Senf empfohlen.
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