Customer Review:
Eindringliche Worte
Das Buch ist wegen mangelnder Wissenschaftlichkeit abgelehnt worden. Dem liegt ein sehr eingeschränkter Wissenschaftsbegriff zu Grunde. Man kann nicht alle Aussagen quantifizieren und in schöne Graphiken packen. Auch lebensgeschichtliche Interviews, wie Necla Kelek sie geführt hat, können zur Erhellung eines Sachverhalten beitragen. Dass Frau Kelek auch ihre Lebensgeschichte mit ihrer problematischen Beziehung zu ihrem Vater einbringt, ist als solches nicht negativ. Schließlich schreiben auch Feministinnen über ihre Erfahrungen als Frauen. - Das Buch zeigt ganz deutlich, dass die Integration, so wie sie sich gutmeinende Menschen in den 70er Jahren vorgestellt haben, einfach nicht eingetreten ist. "Wir brauchen die Deutschen nicht." Nach diesem Grundsatz leben viele Türken in Deutschland. Frau Keleks Beispiel der "Importbräute" ist nur eines von vielen, die belegen, dass von der Mehrheit der hier lebenden Türken Integration gar nicht gewollt ist. Joe Klein schrieb schon vor Jahren in der ZEIT: "Einwanderer kommen nach Amerika, um Amerikaner zu werden. Türken kommen nach Deutschland, um Türken zu bleiben." Das ist eine traurige Erkenntnis für viele, die ein positives Bild von Einwanderung haben. Dass die beiden Kulturen nicht zusammenkommen, liegt nicht nur an Vorurteilen, die Deutsche gegenüber Türken haben. Diese wenig geliebten Wahrheiten spricht Frau Kelek deutlich an. Vermißt habe ich einen Blick auf junge türkische Männer. Sie sind ja nicht nur zu Problemfällen im Bildungsbereich geworden, was auch mit den "Importbräuten" zu tun hat, sondern auch den skurrilsten Normen ihrer Herkunftskultur ausgesetzt. Man denke an die Körperverletzung in Form der Beschneidung, die aus Angst vor türkischen Clans von keinem deutschen Jugendamt angezeigt wird. - Der Erfolg des Buches sollte für Frau Kelek Ansporn sein, ihre Forschung weiter dem "Inneren des türkischen Lebens in Deutschland" zu widmen.
Nähkästchenplaudereien
Je nach dem mit welchen Erwartungen man sich dieses Buch durchliest, ist man vielleicht nicht so enttäuscht, wie ich es war. Für die Hausfrau von nebenan, die lediglich eine oberflächliche Auseinandersetzung sucht und lediglich Vorurteile bestätigt haben möchte, ist dies sicherlich die richtige Lektüre. Ich persönlich habe eine wissenschaftliche und fundierte Auseinandersetzung mit dieser Thematik erwartet. Von einer promovierten Akademikerin ist dies wohl nicht zuviel verlangt, zumal Frau Kelek von Talkshow zu Talkshow wandert und ihre Thesen zu untermauern versucht. Mein Fazit ist, hätte Frau Kelek eine Psychotherapie gemacht, wäre uns dieses Buch wahrscheinlich erspart geblieben. In den ersten 158 Seiten verarbeitet sie zunächst ihre eigene Lebensgeschichte, ihre traumatischen Kindheitserlebnisse, ihr schlechtes Verhältnis zu ihrem Vater, selbst detaillierte Schilderungen der Hochzeitsnacht ihrer Eltern bleiben dem Leser nicht erspart. Das Ganze hat etwas Exhibitionistisches. Die Bearbeitung der Thematik ist oberflächlich und pauschal zugleich. Es fehlt ein roter Faden. Sie schreibt an keiner Stelle des Buches, dass es sich um eine bestimmte Stichprobe handelt, nämlich Frauen aus konservativ-islamischen Kreisen, denen sie in der Moschee begegnet ist. In der Türkei leben über 70 Mio in der BRD über 2,5 Mio Türken, wie kann man sich da anmaßen, solche Sätze wie Jede Familie mit einer Tochter im heiratsfähigen Alter,& Und da alle Kinder in der türkisch-muslimischen Kultur so erzogen werden,&; In einer türkisch-muslimischen Familie wird ein Kind nicht dazu erzogen, ein freier,&; &, dass für sie immer noch die Stammesgesetze gelten-&; Wenn Besuch kommt, werden die Jungen auf die Straße geschickt&; Liebe zwischen Mann und Frau ist nicht vorgesehen& etc. einfach so stehen zulassen. Hinzukommt, dass viele Dinge, seien es einfache Übersetzungen, schlicht und einfach falsch sind (Gelin almak, frei übersetzt nach Frau Kelek Braut kaufen, gemeint eigentlich, um eine Braut werben, selbst Wort wörtlich übersetzt würde es heißen, Braut nehmen). Das Henna Ritual wird frei nach Frau Kelek folgendermaßen interpretiert: Jetzt ist die Braut befleckt, unsere Familie hat ihre Marke gesetzt, was soviel bedeutet wie: Du gehörst jetzt zu uns. Nun Frage ich mich was mit dem Bräutigam ist, dessen Finger ja auch mit Hennapaste beschmiert und mit einem Tuch verbunden wird. Das Henna soll eigentlich Glück verheißen, deshalb nehmen auch Gäste ein wenig davon mit und färben sich die Hand damit. Dieses Buch ist ein wirklich interessantes Phänomen. Man könnte nicht nur über den Inhalt, sondern auch über die Reaktion der Leser ganze Abhandlungen schreiben. Frau Kelek macht es sich wirklich sehr einfach, verstrickt sich immer wieder in Widersprüche. Mich wundert es nur, dass sie in keinem der zahlreichen Sendungen daraufhin angesprochen wurde. Sie sollte mit gleichen Standards gemessen werden, wie auch andere Autoren, die für sich einen wissenschaftlichen Anspruch geltend machen. Sollte sie diesen Anspruch nicht haben, wäre es sicherlich hilfreich, dies auch so darzustellen. Sollten dies Nähkästchenplaudereien einer Türkin sein, die ihre eigenen Erfahrungen, aus ihrer konservativ- tscherkessischen Familie schildert, messe ich dies mit einem anderen Maßstab, denn mehr als Nähkästchenplaudereien beinhaltet dieses Buch nicht und es wäre gefährlich mehr daraus zu machen. Es trägt weder zum besseren Verständnis der türkischen Kultur bei, noch ist es ein sachlicher Beitrag zum Thema Zwangsehe. Es passt nur gut in die EU-Debatte und schürt noch mehr Ängste. Das Ganze wird von Frau Kelek als Massenphänomen dargestellt, was es schlicht und einfach nicht der Fall ist, wobei ich betonen möchte, dass über die Hälfte des Buches Frau Keleks Familiengeschichte beinhaltet, was nicht prototypisch für die türkische Kultur steht oder stehen muss. Es ist eine individuelle Lebensgeschichte.
Könnte man eine Kultur so einfach erforschen, wie es Frau Kelek macht, bräuchte man an den Universitäten sicherlich keine Fächer wie Kulturpsychologie, Anthropologie, etc. Eine Kultur auf so einfache Thesen zu reduzieren, ist wirklich peinlich. Das sollte mit keiner Kultur geschehen.
Enttäuschend, nicht wahrheitsgetreu
Dieses Buch wird meines Erachtens zu Unrecht so gelobt. Frau Kelek verallgemeinert und gibt zumeist auch falsche Informationen wie z.B. die Bedeutung des Hennas am Hennaabend vor der Hochzeit. Außerdem verstehe ich den Zusammenhang zwischen ihrem Leben und dem Leben der "Importbräute" - wie Frau Kelek es ausdrückt - nicht. Sie vermittelt den Eindruck als wenn sie in ihrem Buch zunächst mal ihre Erlebnisse zu ihrem Vater verarbeiten muss.
Mein Rat an alle die dieses Buch dennoch lesen wollen, nicht alles als wahr und wissenschaftlich fundiert anzunehmen.
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