Customer Review:
Beinahe nur für Bürger der BRD
Aufgrund meiner bislang ausgesprochen positiven Erfahrungen mit Reinhard K. Sprenger musste ich dieses Buch natürlich auch gleich haben.
Obwohl es zahlreiche interessante Denkanstöße gibt, konnte ich mich mit diesem Buch nur bedingt identifizieren. Leider musste ich feststellen, dass sich seine kritischen Worte vorwiegend auf Politik und Politiker der Bundesrepublik Deutschland beziehen. Für einen Österreicher zwar nachvollziehbar, aber wenig ansprechend.
Sprenger gefangen zwischen Liebe und Raffgier
Für Sprenger hätte uns der Sozialstaat in den letzten Jahrzehnten systematisch folgende beiden Hauptreize, Eigenantrieb zu entfalten, genommen:
1. Erwartung von Reichtum
2. Furcht vor Armut.
Diese Wertorientierung von Sprenger spricht für sein materiell-oberflächliches Weltbild. Dies kann auch an seiner Kritik an den Apellen "naturtrüber" Menschen festgestellt werden. Für Sprenger dürfen wir die Ressourcen der Erde innerhalb weniger Jahrzehnte verbrauchen, denn "können wir wissen, ob künftige Generationen das brauchen, was wir "sparen"?"
Sprenger hat trotzdem ein wertvolles Buch geschrieben, weil es zweifelsohne den Finger in eine Wunde legt: Das heutige Regieren beschränkt sich darauf, Menschen zu moralischen Handeln entweder zu zwingen (Steuern) oder sie zu erkaufen (Subventionen). "Das ist die beste Art, Menschen zu zeigen, das moralisches Verhalten unwichtig ist, Geld aber wichtig. (...) Moralisches Verhalten bedeutet heute nicht mehr Verzicht sondern Vorteil. Die Politik macht sich lächerlich über unsere Ideale." Die berechtigte Frage von Sprenger ist, -ob und wie- wir zu einer umweltfreundlichen Welt gelangen können ohne in einer Öko-Dikatur zu enden, die sicherlich von so manchem professionellen Grünen erträumt wird.
Am Schluss des Buches erklärt uns Sprenger dann seine Werte näher: "Was Menschen wirklich bewegt, was sie anstreben, was für sie unverzichtbar ist, was immer das sein mag: Geld, Arbeit, Liebe, Macht, Gesundheit, Natur - all das sind nur elementare Vorraussetzungen für ein eigenes, autonom geführtes Leben."
Es ist ein Zeichen von Lieblosigkeit, wenn Sprenger das Streben nach Besitz und Macht in einen Topf schmeißt mit dem Streben nach Gerechtigkeit und Liebe. Sprenger:
"DAs wird oft missverstanden. Viele sehen darin eine Epidemie des Egoismus, eine Erosin des Sozialen. Aber nimmt man auch das Beflügelnde, das Zukunftsfähige wahr? Sieht man auch das Kraftvolle und Bewegliche?"
Auf der anderen Seite schwärmt dann Sprenger von der menschlichen Liebe, von nachhaltiger Lebensfreude:
"Menschen wollen nach wie vor in Harmonie mit ihrer Umwelt leben wollen. Sie wissen in übergroßer Mehrheit, dass sie sich selbst etwas Gutes tun, wenn sie anderen etwas Gutes tun."
Sprenger scheint gefangen zwischen seiner Liebe zur Umwelt und Raffgier. Quo Vadis Herr Sprenger?
Absolut empfehlenswert für Liebhaber klarer Worte
Genauso unerbittlich wie Managementberater Reinhard K. Sprenger wunde Punkte in den von ihm beratenen Unternehmen anprangert, nimmt er in seinem neuen Buch die Politik aufs Korn. Sprenger zeigt auf, wie es dazu kommen konnte, dass Deutschland zu Beginn des neuen Jahrtausends als unmodernes Land in einer modernen Welt dasteht. Aber alles nur auf den Staat zu schieben, greift zu kurz, denn dieser konstituiert sich aus der Summe seiner Bürger. Also muss Kritik auch beim Bürger selbst ansetzen. Erst wenn jeder Einzelne einsieht, dass die jahrzehntelange Sonderkonjunktur nach dem Zweiten Weltkrieg längst ihr Ende gefunden hat, wird der Weg frei für neue Perspektiven. Sprengers Prognose: Reformwillige deutsche Regierungen werden auf allen Bereichen reichlich zu tun haben, und das auf Jahre oder gar Jahrzehnte hinaus. Wer nur auf die nächste Wahl aus ist, wird sie verlieren. Allerhand polemische Abschweifungen verzeiht man Sprenger angesichts des ansonsten unnachahmlichen Stils gerne. Wir meinen: Ein Muss für alle politisch und ökonomisch Interessierten.
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