Customer Review:
Guter Einsteig, leider veraltet
"Reisejournalismus" ist - obwohl aus dem akademischen Umfeld entstanden - ein sehr praxisnahes Buch. Besonders Berufseinsteiger finden hier viele Hilfen, da auch die journalistischen Grundformen von Recherche bis Reportage beschrieben werden. (Auch Profis können sich hier noch den ein oder anderen Tipp holen.) Besonders interessant fand ich die Beispielartikel und die Profile der Reisemagazine, denen sich ein ganzes Kapitel widmet.
Großes Manko: Das Buch ist veraltet. Die Preise werden noch in DM ausgeweisen; das Internet findet nur ganz beiläufig Erwähnung. Auch hat sich seit Entstehen des Buches 1997 viel in der Verlagslandschaft verändert - was auch die Reiseressorts betroffen haben dürfte.
Nützliches Handbuch
Kleinsteubers "Einführung in den Reisejournalismus" informiert anschaulich mit ausführlichen Literaturlisten über die Geschichte des Reisejournalismus und bietet zudem eine Menge praktischer Tipps zur Recherche, Themenfindung und zum Umgang mit den journalistischen Formen sowie zum Einsatz der Fotografie. Die Interviews, die der Autor und sein Team mit insgesamt 13 Redaktionen wie etwa Geo Saison oder Merian geführt haben, sind ebenfalls aufschlussreich. Denn hier erfährt der Praktiker, worauf es potenziellen Abnehmern seiner Geschichten ankommt. Allerdings dürfte sich seit der Herausgabe 1997 auch einiges in der Medienlandschaft geändert haben. Soweit so gut.
Was der Praktiker aber wirklich vermisst, ist die Sichtweise von freien Autoren. Zwar gibt es ein Interview mit einem freien Journalisten, der für erstklassige Kunden wie Geo schreiben darf, aber der Leser/ die Leserin erfährt relativ wenig über den Alltag von Freien, die sich ihre Reisen zum großen Teil selbst finanzieren müssen. Ein Beispiel ist nicht unbedingt repräsentativ.
Statt dessen scheint dem Autor der Ethik-Aspekt sehr wichtig zu sein. So widmet er dem Thema Sponsoring durch die Touristikbranche ein längeres Kapitel. Natürlich ist die Gefahr gegeben, dass Journalisten, die Einladungen zu Pressereisen annehmen, evtl. zum Vorteil ihrer Sponsoren berichten oder einfach nur schnorren. Schwarze Schafe gibt es überall, doch die sind in der Minderheit. Fest angestellte Redakteure mögen sich den Luxus ethischer Bedenken leisten können, werden die Spesen doch von den Verlagen bezahlt. Für freie Autoren sieht es jedoch anders aus. Spesen werden oft nicht bezahlt, doch irgendwie muss der Journalist seine Recherchereisen finanzieren und sich somit gezielt je nach Reise Sponsoren suchen, sonst geht er pleite. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass ein solcher Journalist käuflich ist.
Ansonsten ist das Buch für Berufsanfänger durchaus empfehlenswert.
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