Customer Review:
Wo bleibt die Medientheologie des Protestantismus?
Mit dem von R. Preul und R. Schmidt-Rost herausgegebenen Buch liegt endlich ein Band zu einem zu lange vernachlässigten Thema vor: einer praktisch-theologischen Medientheorie. Insofern kann man diese Sammlung von Beiträgen nur begrüßen. Die zusammengestellten Aufsätze sind noch recht unterschiedlich gearbeitet und spiegeln insofern die Anfänge einer längst fälligen, gründlicheren Auseinandersetzung wieder. Überfällig ist die Debatte insofern, als der Protestantismus sich seiner medientheoretischen Grundfrage stellen muß: Inwieweit ist er wesensmäßig auf eine Kultur des Buches angewiesen? Lassen sich grundsätzliche protestantische Anliegen in neue Medien transformieren? Müssen Evangelium und Unterhaltungskultur Gegensätze bilden? Das Buch beantwortet solche Fragen nur in ersten Anfängen. Theologische Grundsatzerwägungen werden nur lose mit aktuellen Medientheorien verknüpft (schlagwortartig mit McLuhan und mit dem bei Theologen beliebten Kulturpessimisten Neil Postman). Die Auseinandersetzung mit Theoretikern der Buchkultur (wie Michael Giesecke und seinen bahnbrechenden Untersuchungen zur Neuzeit, Friedrich Kittler) steht noch aus. Das Thema 'Internet' bleibt im Band "Kirche und Medien" völlig ausgespart. Neben Themen wie Kirche in der Presse (auch Schelte auf zu unkirchliche Journalisten), Werbung und Kinder, Kirche auf der EXPO, treiben die Beiträge zur Rundfunkhomiletik durch ihre Sachkenntnis die Theoriebildung voran. C. D. Müller (S. 136ff) versucht, den Ansatz der "Binnenhomiletik" zu sprengen, indem er die Radiopredigt als "révélateur" versteht - als Problemanzeige und Erneuerungsort für die verkirchlichte Predigt. J. Schieder (S. 122ff) erarbeitet mit Blick auf die Geschichte kirchlicher Rundfunkarbeit Unterschiede zwischen Predigt und religiöser Radio-Rede und beschreibt deren eigene Struktur. Ein Register und ein gut gegliedertes Literaturverzeichnis runden den Band ab und ermöglichen eine eigenständige Weiterarbeit. Summa summarum: ein Band, der vielfältige Einstiege in die praktisch-theologische Mediendebatte eröffnet. Der aber zugleich zeigt, wie sehr die Erörterungen noch am Anfang stehen, und wie sehr sie aus medientheoretischer Perspektive der Debatte hinterherhinken.
Books: