Customer Review:
Schön präsentierte, aber bekannte Weisheiten
Mutig, mutig. Die Autoren beginnen gleich mit dem Teil, der am schwierigsten zu vermitteln ist: mit der Körpersprache. Sie erinnern die Leser daran, dass die älteste Kommunikationsform nur bedingt bewusst gesteuert und verändert werden kann. Die wenigen Übungen im Buch werden jedenfalls kaum genügen, eine bessere Figur zu machen. Schade, dass die weiterführenden Tipps so vage sind. "Gute Sprechübungsbücher" hilft mir wenig, wenn ich im Literaturverzeichnis keine Hinweise finde, was denn gut ist. Ziemlich konventionell sind die Ratschläge zum äusseren Auftritt. Doch die Frage lautet heute nicht mehr "Ein- oder Zweireiher?". Heute sollte man sich fragen, welche Inszenierung passt zum Thema und zu mir. Wer die Frage so stellt, betritt die Bühne eventuell mit Bauhelm, wenn es um die Vorstellung eines neuen Bauprojekts geht. Insgesamt hat mich der erste Teil über den Auftritt nicht vom Hocker gerissen. Nichts falsch gemacht, aber auch nichts Neues geboten. Im zweiten Kapitel geht es um die Rede und die Präsentation. Hier werden die bekannten rhetorischen Muster und Möglichkeiten vorgestellt. Gefallen haben mir da die grafischen Veranschaulichungen in ihrer Einfachheit. Die paar wenigen Übungen haben aber auch in diesem Kapitel eher Alibifunktion. Wer sieben Formulierungen anders ausdrücken soll, wird kaum einen Lerneffekt verspüren. Auf das Wesentliche reduziert ist der Abschnitt über die optischen Präsentationen und die Vorbereitungsarbeiten. De Bonos berühmte Hüte kann man leider nicht so spontan hervorzaubern und andern aufsetzen, die sich solches Vorgehen nicht gewohnt sind. Im dritten Kapitel geht es um den Dialog. Fragen richtig stellen, mit Schlagfertigkeit erfolgreich kontern und schwierige Situationen manipulativ steuern heissen die Unterkapitel. Gut reduziert, schön dargeboten, aber wohl wenig Wirkungskraft. Bevor in einem Glossar die Werkzeuge der Rhetorik nochmals vorgestellt werden, beschäftigen sich die Autoren im fünften Kapitel mit dem Medienumgang. Die Autoren bleiben ihrem Ansatz treu und bieten ihrer Leserschaft bis zuletzt gute Hausmannskost, schön präsentiert. Ob das allerdings reicht, um gegen Konkurrenzprodukte bestehen zu können. Es ist so ein Buch, bei dem nichts Gravierendes falsch ist, das aber Leser, die wirklich weiter kommen möchten, nach dem ersten Schauer im Regen stehen lässt. Die schöne Verpackung des Inhalt hebt das Buch letzlich doch noch über den Durchschnitt.
Books: