Customer Review:
Eine intensive Analyse zum Thema Gewalt- und gesellschaft..
Außer der eigentlichen und Motivation und der Klärung der Frage "Warum sehen Kinder Gewaltfilme", veranlasste die Autorin vor allem auch die in Gesprächen feststellbare Resignation und Enttäuschung der Kinder und Jugendlichen, in ihr keinen Gesprächspartner zu finden, wenn sie diese ansprach. Dabei entdeckte sie ihre ablehnende Haltung, sich mit Gewaltfilmen auseinanderzusetzen. Eine kritische Selbstbetrachtung führte u.a. zu der Überzeugung, dass hier nicht nur Eltern als Medienerzieher gefragt sind, sondern es sich auch um Mitverantwortung und im gesamten um ein gesellschaftspolitisches Thema handelt.
Die angebotenen Antworten zu den Hintergründen und Ursachen, die Kinder und Jugendliche an Gewaltfilmen faszinieren, entspringen ihrer eigenen Verknüpfung von psychoanalytischer und pädagogischer Praxis.
Ihre Betrachtung bezieht sich auf drei zusammenhängende Problembereiche "Kind - Film - und Erwachsenen". Nicht nur die Frage nach der menschlichen Lust am Sehen, den modernen Sehzwängen und deren Folgen werden durchleuchtet, sondern sie deckt auch das Phänomen der zunehmenden Sprachlosigkeit und der gestörten Kommunikation zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf. Der Verlust an Sprache und die damit verbundene Ohnmacht der Betrachter bezeichnet die Autorin als "visuellen Analphabetismus". Die Autorin fordert Aufklärung durch "Visuelle Bildung", die Kinder, Jugendliche und nicht zuletzt Erwachsene befähigt, sich der übermächtigen Bildermacht bewußt und kritisch zu stellen, Inhalte wahrzunehmen und verbalisieren zu lernen.
Jedes der zwanzig Kapitel des Buches unterliegt einer speziellen Fragestellung und macht die Tragweite und die notwendige differenzierte Sichtweise besonders deutlich. Ute Benz führt den Leser in die Verworrenheit der Bilder, deckt die Macht, die in ihnen liegt auf und legt die Ohnmacht und Isoliertheit der Eltern besonders offen dar. Deutlich geht sie auf die Verschiebung der Verantwortlichkeiten zwischen politischen Gremien und Eltern ein und fordert alle Beteiligten auf, den Kampf zwischen Wort und Bild als gemeinsame Sache anzunehmen.
Es geht ihr nicht nur um die "bösen" Bilder, sondern im allgemeinen auch um die Dominanz und dem damit verbundenen Verlust der Sprache. Somit sind für sie Zensur und Verbot kein ausreichendes Mittel, dem Problem zu begegnen, denn ihrer Erfahrung nach würde dies die Attraktivität noch steigern. Damit weist sie auf ein weiteres Phänomen hin, warum Kinder Gewaltfilme sehen und führt neben dem Generationenkonflikt geschlechtsspezifische und rollenspezifische Hintergründe mit auf.
Ute Benz prangert die Suche nach einem "Sündenbock" an und warnt vor voreiligen Schlüssen, gerade im Hinblick auf die Frage, was tut die Gesellschaft und hier insbesondere der Jugendschutz.
Die Autorin klärt den Begriff des "visuellen Analphabetismus" und deckt die Hürden in der Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern auf. Als weitere zusätzliche Schwierigkeit definiert sie die Dreiecksbeziehung Kind - Film - Regie.
U. Benz gibt mir konkrete Hinweise sowie Angebote und unterbreitet Vorschläge, mich der Problematik zu stellen. Sie zeigt deutlich, dass zwischen dem Sozialisationsprozess der Kinder und der Lust an Gewaltfilmen ein enger Zusammenhang besteht. Sie plädiert für die Auseinandersetzung mit den Bildern, aber auch dafür, dass Kinder und Jugendliche durch Wertschätzung ihrer Fähigkeiten Unterstützung erfahren.
Die Voraussetzungen zur Auseinandersetzung sind gegeben, da Kinder, z.B. durch ihre Neugier an den Dingen, für die analytische Arbeit alles mitbringen.
Die letzten zehn Seiten des Buches zeigen "Gewalt im Bild und Gewalt in Beziehungen," ein Projekt, das die Autorin mit Jugendlichen durchführte.
Zur Wahl des Buches hat mich der Titel veranlasst und die Tatsache, dass ich selbst Kinder in fast jugendlichem Alter habe und mich mit dem Konsum von Bildern immer wieder auseinandersetzen möchte. Als ich das Buch in Händen hielt, war es besonders das Kind auf der Umschlagseite, das meine Aufmerksamkeit erregte und mich zusätzlich motivierte.
Besonders beeindruckt hat mich die Vielfältigkeit, mit der die Autorin sich des Themas annahm, und dass sie nicht nur an der Oberfläche und in allgemeinen Aussagen verhaftet blieb. Bei dem Buch "Warum sehen Kinder Gewaltfilme" handelt es sich um eine intensive Analyse der damit verbundenen gesellschaftspolitischen Fragestellungen.
Als weiterführende Lektüre kann ich dieses Buch speziell für das pädagogische Umfeld empfehlen.
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis: - Die Gewalt der Filme und Bilder - Einfach abschalten? Macht und Ohnmacht der Eltern. Drei Beispiele aus dem Alltag - Die Fixierung auf Gewaltbilder und Schuldfragen - Worüber regen wir uns auf? Der Primat fiktiver Gewalt in der öffentlichen Aufmerksamkeit - Jugendschutz - eine Sisyphusarbeit - Das naive Sehen - Freundschaftskonflikte und die Suche nach Feindschaft - Jugendliche Gewaltkonflikte als Entwicklungsproblem - Visuelle Bildung als individueller Jugendschutz
Susanna Weber
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