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Blindflug mit Scheinwerfern
Als Zuschauer, als Be-Schauer überfliegt Norbert Bolz mit seinem (Blind-)Flug die heutigen westlichen Gesellschaften und ortet Komplexität und Kontingenz, Ungewissheit und Unsicherheit:"Wie ich mich entscheide, hängt davon ab, wie der andere sich entscheidet, der sich wiederum an meiner Entscheidung orientiert. Und ich weiss, dass der andere weiss, dass ich, wie er, auch anders könnte" (S.8) und stellt schon in seinem Vorwort fest: "Die Metapher des Blindflugs müsste auch noch mitkmmunizieren, dass nicht klar ist, wo wir landen werden. Auf die Instrumente und das Personal ist Verlass, aber niemand weiss, wohin die Reise geht" (S.9). Auf Schweizerdeutsch würden wir sagen, er sei ein "Luesbueb" (Lausejunge); denn er hat zu den Instrumenten beim Blindflug starke Scheinwerfer angezündet, die zwischen den Zeilen ab und zu auf das im Scheinwerferlicht Sichtbare der Zukunft hinweisen; denn seine kritischen Aeusserungen z.B. zur sozialen Gerechtigkeit, welche er als Neidgesellschaft entlarvt, der Kapitalismus, welcher mangels Alternativen zum Weltschicksal geworden ist, die Legitimation durch Leiden, welche auf Machtausübung durch Unglücklichsein fusst, usw. ist "harte Post".
Spannendes Buch, das den Blickwinkel weit öffnet - wenn wir es nur zulassen.
Nicht uninteressant, aber...
...vor allem scheint Norbert Bolz hier ein Auffangbecken gesucht zu haben für alle möglichen Texte, die sich bei ihm in den letzten Monaten/Jahren angesammelt haben. Und natürlich lässt sich alles "sehr schön" (eine Floskel, die Bolz so oft wiederholt, dass sie ein wenig nervt) unter die Punkte Komplexität und Kontingenz subsumieren. Dabei gelingen Bolz mitunter überraschende Einblicke, insgesamt wirkt das Buch aber eher schwammig, unstrukturiert und undifferenziert.
enttäuschend
norbert bolz präsentiert sich mit diesem buch einmal mehr als möchtegern-alleserklärer, und einmal mehr operiert er dabei fortwährend mit dem denksystem niklas luhmanns - ohne sich allerdings als der systemtheoretiker, der er gerne wäre, zu outen, und ohne auch nur ansatzweise luhmanns differenzierungsschärfe und originalität erreichen zu können. stattdessen polemisiert bolz gegen den verfall der werte und bejammert kryptisch das obsoletwerden des "herren"-menschen. ein großes sammelsurium von behauptungen, die oft so oft unreflektiert an den haaren herbeigezogen sind und so weltfremd wirken, dass man sich wünscht, bolz würde seine sache einfach einmal etwas gelassener und ressentimentloser angehen lassen - wie sein idol luhmann eben. dann hätte sein buch auch nicht so trostlos-humorlos ausfallen müssen.
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