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Ein holpriges Vergnügen
Direkt zu Beginn: Es ist kein schlechtes Buch. Doch wenn man dem Autor ein Arbeitszeugnis ausstellen müsste, so würde sich dort unter anderem „Er arbeitete insgesamt zufriedenstellend und erledigte seine Aufgaben im allgemeinen mit Sorgfalt und Genauigkeit“ finden.
Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um ein handliches, sehr ordentlich gebundenes und strapazierfähiges Buch mit vielen farbigen Abbildungen.
Natürlich ist und kann es nicht Anspruch eines solchen Büchleins sein, einen umfassenden Stand der aktuellen Geologie zu vermitteln. Es kann vielmehr nur einen Einstieg in die Thematik mit ausgewählten Beispielen darstellen. Herausgekommen ist jedoch ein Buch, das einen halbgaren Eindruck macht. Ob der bislang von „geologischen Erscheinungen“ Unbeleckte nach der Lektüre dieselben „entdecken und verstehen“ kann – wie es er Titel des Buches ankündigt - ist zweifelhaft. Es bietet sich dem Leser leider kein umfassendes Bild, noch führt ihn ein roter Faden durch seine Lektüre. Doch selbst wenn das handliche Format zur Mitnahme auf Exkursionen einladen sollte, auch zum sporadischen Nachschlagen eignet sich das Buch nur schlecht, da die Informationen zu sehr an der Oberfläche bleiben und der Leser nach dem Durchstreifen eines Kapitels selten seine eigentlich Frage geklärt sieht, sondern nur mit vielen neuen Fragen konfrontiert wird.
Der Grund hierfür ist weder im Format des Buches noch in dessen zugegebenermaßen nicht ganz einfachen Aufgabenstellung zu finden. Vielmehr macht das Buch den Eindruck als habe es vor der Veröffentlichung außer dem Autor und einem eiligen Lektor keine weitere Person zum Gegenlesen bekommen. Anders ist die verquere Textstruktur und die mit Eigentümlichkeiten durchsetze Sprache nicht zu erklären. Es finden sich am laufenden Band Absätze wie der folgende:
„DIE MECHANISCHE VERWITTERUNG. Diese Verwitterungsart führt zu einer Zerstörung des Kristallgitters im Gestein durch bestimmte, von außen auf das Gestein einwirkende energiereiche Kräfte, wie z.B. den Sprengdruck des Frostes in den Klüften eines Gesteinskörpers, die Saltation von Sandkörnern oder die Wucht der Küstenbrandung.“
Lässt man außer Acht, dass der Autor das Kunststück fertig bringt, in einem Satz Energie, Kraft und Druck gleichzusetzen, so bleibt dennoch die Frage: Kann man es noch komplizierter Ausdrücken? Es sind gerade diese holprigen, ungenauen und verwirrenden Formulierungen, die den Lesefluss hemmen. Wem im zitierten Absatz das Wort „Saltation“ nichts gesagt hat, dem wird am Seitenrand folgende Hilfestellung geboten: „SALTATION. Die hüpfende oder springende Bewegung von Sedimentteilchen“. Ja, das ist unfreiwillig komisch, da vor allem Leser mit ausgeprägt bildlicher Vorstellungskraft wohl der Versuchung unterliegen dürften, sich fröhlich hüpfende und springende Sandkörner vorzustellen - vor allem, um den Unterschied zwischen beiden Aktivitäten zu erkennen.
Überhaupt verwirren die vielen Randnotizen am naturgemäß nur spärlich vorhandenen Rand und hätten eher in einem Anhang eine wohlbehütete Obhut erhalten. Ähnlich verhält es sich mit den Erdzeitaltern, die scheinbar wahllos über das gesamt Buch in eingestreuten Kapiteln jeweils eine ausführliche Widmung erfahren. Leider werden dem Leser dadurch nur weitere „Gesteinskörper“ in den Weg geworfen, die den Lesefluss stören.
Schade, denn im Grunde hätte diese sehr schöne Buchidee mehr Sorgfalt verdient, zumal der Autor den Eindruck erweckt, das nötige Wissen zu besitzen. Nur an der Übermittlung, da scheitert’s halt.
Edelmann kennt sich aus
Nach dem wunderschönen kleinen Vulkanführer von Jens Edelmann nun ein weiteres Büchlein dieses Autors. "Geologische Erscheinungen..." ist das Spezialgebiet des Autors, er weis also wovon er schreibt und man ist somit gut aufgehoben bei Edelmann. Das Format des Buches macht es möglich, diesen kleinen Ratgeber immer bei Wanderungen parat zu haben.
Empfehlenswert also, am besten im Doppelpack mit dem Vulkanführer "Vulkane besteigen und erkunden".
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