Customer Review:
Interessant aber fragwürdig
"Endlich wurden diese Bauernregeln, die ich seit der Kindheit kenne, wissenschaftlich untersucht", dachte ich mir, als ich mir dieses Buch des mittlerweile durch die Medien weithin bekannten Berliner Professors für Meteorologie kaufte.
Das Buch vermittelt dem Leser auf zugängliche Art meteorologische
Zusammenhänge. Die Gliederung der Bauernregeln nach Aussageformen und Jahreszeiten erleichtert die Lektüre ungemein und hilft beim schnellen Nachschlagen.
Malberg ist bei seiner Untersuchung so vorgegangen, dass er
ermittelt hat, wie oft die Aussage einer Bauernregeln in Berlin in der Vergangenheit prozentual zutraf. Wenn dieser Prozentsatz 50 % übersteigt, so sei die Bauernregel seiner Meinung nach gültig und sogar für die Zukunft prognostisch verwertbar.
Besonders interessant sind die Bauernregeln, die eine Aussage über den zukünftigen Verlauf des Wetters anhand bestimmter Witterungsmerkmale in der Gegenwart treffen - also Regeln zur Langfristprognose. Diese wären also unserer heutigen Wettervorhersage, die sich nur auf wenige Tage beschränkt, voraus.
Das hört sich zunächst erstaunlich an. Aber ist es tatsächlich möglich, mit Hilfe der Bauernregeln eine Wettervorhersage zu machen, die besser als die der Meteorologen ist?
Ich meine nein, denn zu mehr als 50 % kann ein meteorologisches Ereignis auch ohne eine Vorhersagebedingung eintreffen, also auch durch Zufall. Somit ist die Bauernregel zwar gültig, aber sie liefert keine bessere Vorhersage als eine, die sich auf die klimatischen Werte stützt.
Ich vermisse leider über diesen wichtigen Punkt klärende Worte des Professors. Ich denke, dieser Punkt ist die Quelle für weitverbreitete Mißverständnisse und irrsinnige Spekulationen.
Das Kapitel über den Mondeinfluss möchte ich gar nicht weiter kommentieren, mit den dortigen Schlussfolgerungen wird der Autor ziemlich allein dastehen.
Fazit: Ein lesenswertes Buch über Wetter und Bauernregeln.
Aber vieles muss weiterhin als nicht abschließend bewiesen gelten. Dazu sind manche Schlussfolgerungen einfach zu fahrlässig und irreführend.
Ist der Himmel voller Sterne, ist die Nacht voll Kälte gerne
Bauernregeln kennt jeder und werden auch gern zitiert, wenn der Wettermann im Fernsehen wieder einmal ein Tief ankündigt und man mit einem Ich-sag's-doch-immer-Gefühl mit der Fernbedienung von der Tagesschau tum Theaterstadt umschalten will.
Horst Malberg, seit 1970 Professor für Meteorologie und Klimatologie an der Freien Universität Berlin, Autor vieler Lehrbücher, nimmt sich nun der --- auf viele Jahrhunderte Wetterbeobachtung gründenden ---Bauernregeln an und beschreibt dem Leser verständlich, weshalb „Siehst du die Schwalben niedrig fliegen/wirst du Regenwetter kriegen ..." schon stimmt, „Eichen soll man weichen/ vor den Fichten soll man flüchten/ auch die Weiden soll man meiden/ doch Buchen sollst man suchen/ auch Linden solls man finden" geradezu lebensgefährlich ist.
'Bauernregeln aus meteorologischer Sicht' ist nichts für Leser, deren meteorologisches Verständnis nur bis „der Wettermann vom Fernsehen hat doch keine Ahnung" reicht. Alle anderen bekommen ein gut verständliches und interessantes Buch, das durch einen umfangreichen Glossar abgerundet wird. (Dies ist eine "Amazon.de Campus"-Studentenrezension.)
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