Customer Review:
Spannend und kompetent
Zusammen mit dem "Atman-Projekt", was etwa zeitgleich geschrieben wurde, ist dies das erste Buch des neuen Wilber, nach seiner Abkehr von der retroromantischen Sichtweise. (Früher war alles besser und der Mensch der Einheit noch näher.) Wo es im "Atman-Projekt" um die Stufen der Individualentwicklung geht, befasst sich "Halbzeit der Evolution" mit der Kollektiventwicklung. Wilbers Stärke ist es, eine Vielzahl an Stimmen überzeugend zu einer Synthese zusammenzuführen und mit dieser Synthese etwas Neues zu schaffen. So sind Wilbers Thesen zwar neu, aber doch streckenweise so überzeugend, daß man sich manchmal fragt, warum man nicht schon viel eher darauf gekommen ist. Wilbers anderes großes Plus ist neben seiner Offenheit und enormen Belesenheit, daß er tiefgehend und unterhaltsam schreiben kann. Sein lockerer Stil wirkt niemals platt, seine tieferen Gedanken niemals Oberlehrerhaft. Alles in allem ein rundheraus empfehlenswertes Buch.
Biologisierung des Sozialen
Esoterische Wissenschaft at it's best: Der vielgelesene Autor Wilber behauptet durch alle Gegensätze der Wirklichkeit hindurch mittels Zusammenfassung gegensätzlichster Wissenschaften und religiöser Auffassungen reale Harmonie zu entwickeln: Sie entsteht durch die Vereinigung alles und jedens. Die Menschheit stehe in einem Evolutionsprozeß, der in dem erweiterten Bewußtseins seinen guten Abschluß finden könne. Dazu macht Wilber eine unglaubliche Melange von verschiedensten Vorstellungen auf: So ist er exzessiver Eklektizist im negativsten Sinne. Dabei negiert er nicht nur alle notwendigen Unterschiede der Wissenschaften, womit er deren Existenzberechtigung überhaupt bestreitet (ohne selbst in Konsequenz zu betreiben, wozu er im Sinne seiner eigenen Ansicht gezwungen ist), sondern schafft darüber hinaus dabei unter der Hand (und das wird der wesentliche Sinn des Buches sein) eine Apologetik der bestehenden materiellen Verhältnisse, deren Eigenschaft, Ausbeutung und zu Unterdrückungen zu ermöglichen und (im Sinne ihrer Erhaltung) nötig zu machen, ihm als in dieser Weltgesellschaft lebend erfahrbar (und so ebenso analysierbar) ist. Obwohl Wilber materialistische Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker als Baustein in seinem unendlichen Bewußtseinsmosaik heranzieht, hat er Ideologie- und Idealismus-Kritik augenscheinlich nicht verstanden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Großartige Synthese verschiednener Wissenschaften
Wilber legt mit diesem Buch - das ich für eines seiner wichtigsten halte - eine überzeugende Synthese verschiedener Wissenschaften vor. Er trägt Ergebnisse aus Evolutionsbiologie, Mythenforschung und Geschichtsphilosophie zusammen und verbindet sie mit Grundsätzen indischer Religiosität. Wer meint, dass etwas Interesantes entstehen kann, wenn Darwin, Schelling und Buddha aufeinandertreffen, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Wer das nicht meint - tja, der soll unbelehrt seiner Wege gehen.
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