Customer Review:
Absoluter unbewiesener Unfug
Dieses Buch ist einfach nur schlecht. Es ist einseitig und es trägt keine Spur von Objektivität.
Während des gesamten Buches wird Kepler als Unmensch aufgebaut. Sein Charakter wird als hinterhältig und niederträchtig dargestellt und man spürt auf jeder Seite, dass die beiden Autoren Kepler als Mörder darstellen wollen. Und Brahe ist durch das ganze Buch der liebe und nette Mann, der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann.
240 Seiten lang wird Keplers und Brahes Geschichte erzählt, wobei Kepler nirgendwo auch nur eine einzige positive Charaktereigenschaft unterstellt wird. Man spürt förmlich, wie er zum Mörder hochstilisiert wird. Dann auf rund 10 Seiten wird mit lächerlichen Indizien gearbeitet, die nachweisen, dass Brahe mit Quecksilber vergiftet wurde. Nichts, aber auch gar nichts, deutet in diesen Untersuchungen darauf hin, dass Kepler ihm das Quecksilber verabreicht hat. Jeder weiß, dass Brahe selbst mit Quecksilbertinkturen experimentiert hat, aber da Kepler ja solch ein schlechter Mensch ist, muss er es gewesen sein, der Brahe das Quecksilber verabreicht hat. Die Autoren liefern für diese dämliche Behauptung nicht einmal Indizien..... und Beweise schon gar nicht. Sie behaupten nur.
So wird Kepler als Motiv für den Mord unterstellt, er wollte an die Beobachtungsaufzeichnungen Brahes herankommen, die dieser aber eifersüchtig unter Verschluss hielt. Nur ganz nebenbei bemerken die Autoren dann, dass Kepler aber schon vor Brahes Tod Zugang zu den Daten hatte, er durfte sie nur nicht veröffentlichen und für seine Arbeit benutzen. Und da frage ich mich, weshalb dieser angeblich so miese Charakter Kepler sich an diese Vereinbarung gehalten hat. Wenn Kepler denn zu einem Mord fähig gewesen wäre, dann hätte er auch gleich die Daten klauen und veröffentlichen können.
Nein, das Buch ist nur dumm und oberflächlich und die Autoren wollten hier scheinbar einen "Reißer" schreiben in der Hoffnung viel Geld damit zu verdienen. Aber da müsste man schon ein paar Indizien bringen, nicht nur eine einfache Untersuchung die zeigt, dass Brahe eine hohe Dosis Quecksilber intus hatte. Brahe experimentierte selbst, wie gesagt, mit Quecksilbertinkturen und es war zur damaligen Zeit weit verbreitet, dass man bestimmte Krankheiten mit Quecksilberdämpfen zu heilen versuchte.
Mein Fazit: Sparen Sie sich die Zeit das Buch zu lesen. Es ist reine Zeitverschwendung, denn für die beiden Autoren steht Kepler als Mörder von vornherein fest. Jeder Jura Student am Anfang des 1. Semesters würde Ankläger mit solchen, an der Haaren herbeigezogenen, Behauptungen (weder Beweise noch Indizien werden präsentiert) in der Luft zerreißen. Schade, dass man keine negativen Punkte vergeben kann. Selten hat mich ein Buch wegen seiner Oberflächlichkeit so wütend gemacht.
Brisantes Thema spannend umgesetzt
Spannend erzählt das Autorenpaar die Geschichte der konfliktreichen Beziehung zwischen zweien der größten Geister der frühen Neuzeit: dem geduldigen und erstaunlich loyalen Tycho Brahe und Johannes Kepler, der hier - anhand zahlreicher Quellen, darunter eigenen Aufzeichnungen - als skrupelloser, von persönlichem Ehrgeiz zerfressener und launischer Intrigant dargestellt wird und letztlich unter einen wohl begründeten Mordverdacht gerät. Denn auch Tycho Brahes qualvolles, tagelanges Sterben ist durch zeitgenössische Quellen üppig belegt; die Schilderungen weisen auf eine zweimalige Quecksilbervergiftung mit hohen Dosen hin. Moderne analytische Methoden, die im Buch gut verständlich und korrekt erklärt werden, belegen diesen Sachverhalt.
Die Autoren rekonstruieren den Tathergang und untersuchen die möglichen Beweggründe der Personen, die als Mörder infrage kommen, sowie deren Fähigkeiten und Gelegenheiten, den Mord überhaupt durchzuführen. Letztlich bleibt nur eine der bekannten Personen aus Tycho Brahes Umfeld übrig.
Die Auflösung überrascht natürlich nicht, da sie ja gründlich vorbereitet wurde. Manchmal fühlt man sich ein wenig gedrängt, Kepler als ein gewissenloses, undankbares, von Missgunst und Erfolgszwang umgetriebenes Scheusal zu betrachten, doch tatsächlich lassen die dem Buch zugrunde liegenden, seriösen Quellen den Astronomen so erscheinen, der zu den großen Wegbereitern der modernen Physik wurde, bevor Newton auftrat. Im Rahmen dieser Polarisierung erweist sich Brahe als "der Gute", der Kepler seine Daten nicht aus eigenem Ehrgeiz und "Futterneid" vorenthält, sondern weil er die solide Grundlage seiner Forschung vorher komplettieren und prüfen will. Die Autoren würdigen die Arbeit beider Forscher, selbstverständlich auch und ganz besonders Kepler.
Ganz nebenbei erhält der Leser einen guten Einblick in die politische Lage just vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges und die höchst interessanten Konstellationen und Konflikte an einigen bedeutenden Höfen jener Zeit.
Einige Skizzen und Bilder erläutern ergänzend die wissenschaftlichen Sachverhalte; weitere Bilder zeigen die Protagonisten und Teile ihres Umfelds.
Ein packend und seriös dargelegter historischer Kriminalfall also, eingebunden in den Kontext einer äußerst brisanten europäischen Epoche, der möglicherweise zum Paten der Entwicklung der neuzeitlichen Physik und Astronomie wurde.
Spannender, jedoch von der Kernaussage zu gewagter Historienroman
Das Buch ist gut recherchiert, sehr packend und zugleich verständlich geschrieben, jedoch von einem gravierenden Makel behaftet: Die Autoren lassen sich dazu hinreißen, alle Thesen und Argumente auf den Nachweis einer Behauptung hinauslaufen zu lassen: Kepler hätte den Astronomen Brahe ermordet um an seine Beobachtungsdaten ranzukommen. In der Stellungnahme der Keplergesellschaft wird korrekt festgestellt, dass Kepler bereits vor dem Tod Brahes entsprechenden Zugang zu den Daten hatte.
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