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Verführerische Astronomie
Es ist ein Vergnügen, in diesem Buch zu blättern und sich über die tollen Bilder den Geschichten zu nähern. In einer plastischen Sprache erzählt der Autor orginell und kenntnisreich über die Geschichte unserer Erde und darüber, wie Wissenschaftler arbeiten. In jeder der 40 Kurzgeschichten wird eine neue Perspketive und ein neues Thema gewählt, aber vieles fügt sich dann auf erfrischende Weise zu einer Rundreise durch unser Sonnensystem zusammen. Nach der Lektüre fand ich mich in einem neuen Raum- und Zeitverständnis wieder. Eine Empfehlung für alle, die - wie ich - nicht leicht Zugang zu Wissenschaftsbüchern finden und doch über einen schönen Sternenhimmel staunen.
Heiße Planeten
Heiße Planeten
Der seltsame Tanz des Sterns 51 Pegasi raubte Michel Mayor und Didier Queloz gleich doppelt den Schlaf. So ließ sich das Forschungsobjekt der beiden Schweizer nur nachts beobachten. Gravierender aber war die Beobachtung selbst: 51 Pegasi wackelte regelrecht über den Himmel. Für die ungewöhnliche Bewegung dieses Sterns hatten die Forscher zwar eine Erklärung. Die war aber so ungewöhnlich, dass sie sich damit bestenfalls lächerlich machen konnten. Schlimmeres aber kann einem Wissenschaftler kaum widerfahren. Der Stern 51 Pegasi aber wiederholte seinen seltsamen Tanz in jeder Nacht, die sich die beiden Astronomen um die Ohren schlugen. Es schien, als würde die kräftige Schwerkraft eines Riesenplaneten an der fernen Sonne zerren.
Solche Planeten weit weg von unserem Sonnensystem suchten Forscher zwar schon lange. Und viele Kollegen hatten sich bereits lächerlich gemacht, als sie die Entdeckung eines Planeten gemeldet hatten, der sich im Nachhinein als Windei entpuppte. Dabei hatten die Forscher meist nur eine Kleinigkeit übersehen, ansonsten waren ihre Funde meist recht glaubwürdig. 51 Pegasi aber war völlig unglaubwürdig. Denn der mutmaßliche Planet scherte sich nicht im Geringsten um die Ansichten der Naturwissenschaft. Trotzdem aber ließen die Daten der beiden Schweizer Forscher nur einen Schluss zu: Vielleicht dreihundert mal schwerer als die Erde sollte dort draußen ein gigantischer Planet in vier Tagen einmal um seine Sonne rasen.
Sollten sie dieses Ergebnis veröffentlichen, würde der Hohn der etablierten Astronomen-Gemeinde auf die beiden Forscher herab prasseln: Riesenplaneten wie der Jupiter pflegen nun einmal weit draußen und in einigen Jahren ihre Sonnen zu umkreisen, lehrten die Theoretiker. Und vor allem lieben sie es schön kühl. Der Begleiter um 51 Pegasi aber musste so nahe an seiner Sonne sein, dass er glühend heiß sein müsste. Das aber würde seine Oberfläche rasch wegblasen. Kurzum: Einen solchen Planeten durfte es einfach nicht geben. Und doch zeigten ihre Daten immer wieder: Dort draußen kreist dieser unmögliche Planet um 51 Pegasi. Am 6. Oktober 1995 wagten Michel Mayor und Didier Queloz dann den Sprung durch den brennenden Reifen: Auf einer Tagung in Florenz präsentierten sie den unmöglichen Planeten.
Seither sind die beiden Schweizer als Entdecker des ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems heiße Aspiranten auf den Physik-Nobelpreis und die beiden Amerikaner Geoffrey Marcy und Paul Butler ärgern sich schwarz. Den unmöglichen Planeten um 51 Pegasi gibt es nämlich wirklich, fanden die beiden Astronomen nach der Ankündigung der Schweizer rasch heraus. Und: Die Amerikaner hätten diesen Planeten viel früher entdecken können. Aber sie achteten nur auf gemächliche Bewegungen am Himmel, die ein Hinweis auf „normale Planeten" sein könnten. Geoffrey Marcy und Paul Butler werden daher immer die zweiten bleiben, obwohl sie inzwischen viel mehr Planeten als ihre Schweizer Kollegen entdeckt haben.
In vierzig knappen, aber mitreißenden Geschichten wie dieser entführt Thomas de Padova in die Welt der Planeten, die meist um unsere und manchmal auch um ferne Sonnen kreisen. Sehr flott geschrieben und doch wissenschaftlich korrekt hat das Buch des Wissenschaftsjournalisten und studierten Astronomen nur einen Fehler: Genau wie die Entdeckung des ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems den beiden Schweizer Astronomen den Schlaf raubte, verdonnert auch Thomas de Padova seine Leser zur Schlaflosigkeit: Bevor man das überaus spannend geschriebene Buch zu Ende gelesen hat, wird man es kaum aus der Hand legen können.
Roland Knauer
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