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Phantastische Mathematik in Ägypten
Der Autor ist Physiker und hat in mehrjährigen Studien Zusammenhänge zwischen den drei Pyramiden von Gizah und astronomischen und mathematischen Größen gefunden. Diese sind formal-logisch sehr überzeugend. Die Frage, wie die alten Ägypter bereit vor fast 5000 Jahren ein derartiges Wissen besitzen konnten läßt einen so schnell nicht mehr los. Allen Lesern, die sich ohne Vorurteile mit der zahlenmäßigen Erfassung der Pyramiden beschäftigen möchten sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Es ist ein Meilenstein der Pyramidenforschung und enthält zahlriche Fotos und Abbildungen.
Pyramidentheorie ohne ägyptologisches Umfeld
Der Physiker Hans Jelitto hat sich der drei großen Pyramiden von Gizeh angenommen und versucht, neue Antworten auf die Fragen zu geben, wie die Pyramiden errichtet wurden, warum in dieser Form, Anordnung und zu welchem Zweck sie erbaut wurden. Jelitto legt in seinem 1999 erschienenen und von der A.A.S. auf deren One-Day-Meeting in Berlin im August 2000 angepriesenen Buch anhand mathematischer Berechnungen und mit naturwissenschaftlichen Methoden Belege für die These vor, daß es Bezüge zwischen den drei großen Pyramiden von Gizeh und den Planeten Merkur, Venus und Erde gibt. Eine, wie man auf den ersten Blick glauben möchte, durchaus interessante Theorie, die es wert sein könnte, sich näher mit ihr zu befassen. Tut man das, so stellt sich leider schnell heraus, daß es sich bei Jelittos Buch um ein weiteres grenzwissenschaftliches Werk handelt, dessen Ziel der Nachweis ist, daß die alten Ägypter mit ihren damaligen technischen Mitteln nicht in der Lage waren, die Pyramiden von Gizeh eigentständig zu errichten. Welches Ziel der Verfasser statt dessen verfolgt, wird schnell klar, wenn man bereits das Vorwort liest: „Die Ausdrücke Große Pyramide und Cheops-Pyramide werden synonym verwendet. Ebenso bezeichnen zweite Pyramide und Chefren-Pyramide sowie dritte Pyramide und Mykerinos-Pyramide jeweils dieselben Bauwerke. Die Namen sollen jedoch nicht unterstreichen, daß jene Pharaonen die Pyramiden tatsächlich erbauen ließen, sondern die Bezeichnungen werden hier verwendet, weil sie sich eingebürgert haben. Die Frage, wer die Baumeister waren, ist aus meiner Sicht noch nicht geklärt. (S. 8)." Und demnach lautet Jelittos Schlußfolgerung nach einer langen, bislang durch zahlreiche mathematischen Berechnungen schwer zu verfolgenden Darstellung, daß High Tech beim Bau der Pyramiden im Spiel war, möglicherweise Levitation und geistige Kräfte, auch Bezüge zum UFO-Phänomen werden hergestellt (S. 207 - 227). Aber Jelitto unterscheidet sich von anderen grenzwissenschaftlichen Autoren, da er nur den hohen technischen und wissenschaftlichen Stand der Erbauer in den Vordergrund stellt, die durchaus auch Menschen einer bislang unbekannten technischen Hochzivilisation in ferner Vergangenheit sein könnten (S. 236). Als Belege werden nebenbei auch die schon lange widerlegte angebliche Kartuschenfälschung durch Howard Vyse (S. 228) und die ebenfalls widerlegte Beziehung der Pyramiden von Gizeh zum Sternbild Orion bemüht (S. 157 - 162). Negativ fällt auch auf, daß Jelitto die Pyramiden von Gizeh losgelöst aus ihrem ägyptologischen Kontext isoliert betrachtet. Dabei lassen sich die Pyramiden von Gizeh nur verstehen, wenn man diesen Kontext nicht ignoriert. Daraus geht, und das haben Forschungen der letzten Jahrzehnte erwiesen, klar hervor, daß die Pyramiden von Gizeh im Alten Reich von den ihnen zugeordneten Pharaonen erbaut wurden und auf eine Pyramidenevolution zurückblicken konnten, die ihren Anfang mit der Stufenpyramide des Djoser in Saqqara nahm und ihren ersten Höhepunkt mit den von Snofru in Dahschur errichteten Pyramiden fand. Ägyptologen und Archäologen haben auch herausgefunden, daß beim Bau der Pyramiden kein High Tech verwendet wurde, sondern die Ägypter mit den ihnen damals zur Verfügung stehenden, vergleichweise primitiven Mitteln, diese Leistung eigenständig vollbrachten. Hinweise auf derartige Techniken sucht man im Buch Jelittos allerdings vergeblich. Das Ignorieren des ägyptologischen Umfeldes der drei Pyramiden führt dazu, daß die von Jelitto zweifellos mit viel Fleiß und Mühe erarbeitete Theorie letztlich keinen Bestand hat. Im übrigen haben wir auch hier ein weiteres Beispiel vor Augen, wie versucht wird, den alten Ägyptern, die durchaus fleißige und erfinderische Menschen waren, die Fähigkeit abzusprechen, daß sie selbst mit ihren eigenen Mitteln in der Lage waren, die Bauwerke auf dem Plateau von Gizeh zu errichten. Wer sich ernsthaft mit ägyptischen Pyramiden beschäftigen möchte, dem sei vom Kauf dieses Buches abgeraten, nicht zuletzt auch wegen des hohen Preises.
Mischung aus exakter Wissenschaft und Phantasie
Der Autor, promovierter Physiker, bietet im ersten Teil des Buches sehr interessante neue Berechnungen auf exakt naturwissenschaftlicher Basis. Im zweiten Teil verliert er sich dann leider in esoterischen Spekulationen wie die Levitation und zeigt dadurch, daß er die ägyptische Kultur und ihr Umfeld, insbesondere die Möglichkeiten unter denen ägyptische Architekten gearbeitet haben, überhaupt nicht verstanden hat.
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