Customer Review:
langweilig und unpassend
Als Fan der Reihe Wissen des Beck-Verlages habe ich dieses Buch gekauft, ohne vorher andere Kritiken zu lesen: Ein Fehler, wie sich herausgestellt hat. Nahezu der komplette Band behandelt detailliert die Ausgrabungen in Troja, ohne jedoch auf Geschichte, Sage, Mythos einzugehen. Der Leser wird über die Höhe und Dicke der Mauer in den verschiedenen Epochen informiert, es ist nachzulesen und welchen Haus (!) Keramikreste oder Knochen gefunden wurden. Doch das alles ist für den Nicht-Archäologen völlig uninteressant. Die Reihe Wissen hat eigentlich den Zweck, schnell, kompakt und dennoch wissenschaftlich fundiert über ein Thema zu informieren. Über das Epos Homers und über die Geschichte der Stadt erfährt man aber so gut wie gar nichts. Im Gegensatz zu den anderen Büchern der Reihe ist es äußerst langweilig und anstregend zu lesen. Trotzdem immerhin drei Punkte gibt es für den sicher erfüllten wissenschaftlichen Anspruch.
Mit Vorsicht zu geniessen...
Wer einstmals davon träumte, eines Tages selbst noch die Wahrheit über Ilias und Odyssee herauszufinden, und dazu noch den Nachweis zu erbringen, dass all das wirklich geschehen sei, und Völkerfürst Agamemnon und sein Held Achill, der Spartaner Menelaos,der Lüstling Paris und sein tapferer Bruder Hektor, der König Priamos und die schöne Helena einst mit ihren Seelen, so rein wie die epische Dichtung Homers, den heutigen Ruinen fröhliches Leben unter der sich anbahnenden Tragik der unabwendlichen, durch göttliche Vorsehung festgeschriebenen Ereignisse verliehen, jene werden mit diesem knochentrockenen Büchlein aus der Feder Hertels keine grosse Freude haben.
Es ist ein Archäologiebuch, voll mit entsprechenden Befunden, und zudem mit Karten und Bildern versehen.
Vielfach wird Hertel unterstellt, dass er dem Leser den konträren Standpunkt, der vom Kreis um den Baseler Joachim Latacz vertreten wird, vorenthält, ich würde allein sagen, dass Hertel sehr vorsichtig ist, in allem was er als gesichert annimmt.
Und diese Perspektive eines nüchternen Fachmanns, der in der sengendsten Hitze seiner Ausgrabung niemals den Verstand verliert ist für die Wissenschaft durchaus eine wertvolle. Jene des konträren Impulsgebers Latacz ist eine ebenso wertvolle, und es ist sicherlich abzuwarten, was sich aus dem Spannungsfeld der beiden Sichtweisen heraus noch ergeben wird.
Was diesem Büchlein mehr anzulasten ist ist, dass es eigentlich nicht sehr gut in diese Reihe passt. Für den Nicht-Archäologen(und dazu zähle ich mich)sind seine Ausführungen mitunter einschläfernd, mitunter zum Verzweifeln. Dazwischen liegen Bereiche die man lesen kann.
Gesamtfazit damit: Sehr korrektes, vorsichtiges, Buch über einen alten Streitpunkt. Für den Fachmann sicherlich ein Muss, für den Laien, so er 'sein' Troja nicht völlig der archäologischen Dekonstruktion anheimgeben möchte, eher verzichtbar.
die Ungewissheit schwindet, aber nicht in diesem Buch
Ein Buch das man lesen sollte,
wenn man sich für die Kontroverse
Homer/ Troia interessiert.
In diesem Buch ( eher etwas für Intessierte mit Vorkenntnisse)
wird aus einer Tunnel-Perspektive geschildert, warum der
singuläre Krieg der Troias Untergang besiegelte
nicht stattgefunden hat.
Aber Troia ist mehr als nur Archäologie
mit einer Brise Philologie und Hethitologie.
Man muß bei Homer/Troia ein Weitwinkelobjektiv verwenden,
das uns alle Indizien,Fakten u. Beweise liefert,
um uns auf den Weg zur Lösung eines alten Rätsels zu führen.
Hierbei bedarf es der Archäologie mit ihren Teilgebieten
der Geschichts u. Kulturwissenschaft,
neuerdings gehören auch Anatolisten u. Hethitologen dazu,
ferner Philologen, Althistoriker, Religionswissenschaftler,
Sprachwissenschaftler, Gräzisten, Sagenforscher,
Volkskundler und viele andere von Troia-Problem
faszienierte die neue Stollen in den
alten Rätzelberg hineingraben.
Die frühere Ungewissheit schwindet.
Es würde nicht verwundern, wenn das Resultat in naher
oder ferner Zukunft lauten würde:
Homer ist ernst zu nehmen!!
Für Interessierte verweise ich auf das Buch:
Troia und Homer von Joachim Latacz
Viel spaß beim lesen.
Die Archäologie ist eine überaus stark verästelte
Disziplin geworden,in der die Forscher glücklich sind,
wenn sie wenigstens den Überblick
über ihr Spezialgebiet behalten.
dierk willrodt
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