Customer Review:
Kulinarisch wie humoristisch wertvoll, optisch etwas lästig
Nach der Wende kam vieles ans Licht, worüber vorher in der DDR der Deckmantel des Schweigens ruhte. Und nachdem wichtige Informationen über Stasi und Konsorten inzwischen ausgiebig ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt wurden und werden, widmet sich der Eulenspiegel Verlag nun der Aufarbeitung einer bis dahin sträflicherweise vernachlässigten Thematik - den DDR-Staatsempfängen. Dabei liegt aber das Augenmerk nicht auf Protokollen, sondern auf dem Teller, denn hier geht es im Wesentlichen ums Essen.
Mit Liebe fürs Detail und einer gehörigen Portion Augenzwinkern wurden wichtige zeitgenössische Quellen wie Speisekarten, Fotos, Verpackungsetikette oder Eintrittskarten gesammelt bzw. direkt abgedruckt. Dazu kommt eine genaue, wenn auch nicht akribische Aufführung von diversen Empfängen mit Daten, Empfangenen und natürlich dem Speiseplan. Inwiefern die augenzwinkernden Plaudereien aus dem Nähkästchen der Staatsführung im Einleitungstext etwas mit den Menüs zu tun haben, bleibt allerdings im Dunkeln. Höchstwahrscheinlich dienen sie wie auch die Vielzahl an Witzen, Karikaturen und Collagen, die sich durch das ganze Buch ziehen (und es dadurch auch etwas unübersichtlich machen) im Wesentlichen der Auflockerung der mitunter recht trockenen Angelegenheit.
Der Clou kommt sowieso zum Schluss. Denn dort findet der hungrig gewordene Leser 27 originale Festmenüs komplett mit Mengenangaben und Kochanleitung zum Nachmachen. Bis dorthin hat sich das Layout-Wirrwarr der vorhergehenden Seiten zum Glück noch nicht verirrt und somit steht dem geneigten Leser nichts mehr im Wege, seine Lieben mit einem Original-Fidel Castro-Menü zu beglücken. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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