Customer Review:
Einfach, ehrlich, gut....leckere Rezepte für jedermann
Dieses Buch hebt sich angenehm aus der Masse hervor. Was macht diese Rezepte so sympathisch?
Nun, in anderen Büchern benötigt man zum Nachkochen mindestens 7 Töpfe, für jedes Rezept eine andere kostspielige Feinschmeckerzutat und mindestens 4 Stunden Zubereitungszeit, nur um dann einen Kinderteller halbvoll zu bekommen. (Obwohl 20 Minuten Zeitaufwand und Menge für 4 Personen angegeben waren.)
Hier sind die Zutatenlisten klein, gängig und preiswert, praktisch alle Zutaten können in vielen verschiedenen Gerichten verwendet werden. Die Zubereitung erfolgt schnell und unkompliziert ohne großen Vorbereitungsaufwand. Und: 6 Personen werden auch wirklich satt.
Einen ganz dicken Pluspunkt gibt es für die vielen zahlreichen Hinweise und Tipps rund ums Kochen und Backen, z.B. zum Haltbarmachen und zur Lagerung.
"Das Backbuch" von R. Florstedt aus dem gleichen Verlag ist die ideale (klassische) Ergänzung zum Kochbuch.
Ideologie,Indisch mit Rind und andere Kuriositäten
Ich besitze dieses Buch noch als Originalausgabe aus DDR-Produktion und sehe es eher als interessantes Dokument über das Leben in der DDR denn als Kochbuch.
Wenn die Autorin der Texte im Vorwort das reichhaltige Speisenangebot in den damaligen Interhotels (Krebssschwanzcocktail, Fasan,etc...)beschreibt bzw. über Eßgewohnheiten anderer Länder berichtet so muß dies dem Leser zur damaligen Zeit wie blanker Hohn vorgekommen sein da diese Lebensmittel z.T. noch nicht mal gegen Vorbestellung im freien Handel zu haben waren und man aus der DDR aus den uns allen sattsam bekannten Gründen nicht herauskam....
Somit dürfte auch ein Teil der hier präsentierten Rezepte für Otto-Normalverbraucher unmöglich gewesen sein sie nachzukochen.
Außerdem ist es auch für heutige Zeiten Kurios selbst in einem Kochbuch Beispiele für "Agitprop" vorzufinden wie z.B. Zitate von Lenin und Marx sowie Hemingways Schilderungen über spanischen Freiheitskampf 1936-1939.
Über die Rezepte kann man sagen daß man hier durchaus die eine oder andere gute Anregung findet. Eine wirklich leckere Angelegenheit sind z.B. die türkischen Spiegeleier. Was allerdings Rindfleisch in einem Indischen Kürbistopf zu suchen hat und ob Erwa Speisewürze (eine Art Maggi) mangels Verfügbarkeit die Sojasoße im Bami ersetzen kann bleibt mir wahrscheinlich für immer ein Rätsel :-)
Somit ist dieses Buch ein interessantes Stück Zeitgeschichte welches sich in Sachen Rezepten und Ideologie allerdings größtenteils überlebt hat.
Völlig angestaubt und veraltet
Es war zwar seiner Zeit ein nettes Kochbuch gewesen, um nicht zu sagen: das Standardwerk in DDR-Küchen aber "Bückware", wie weiter oben beschrieben, war es zum Glück nie. Im Gegenteil. Wenn Kochbücher in DDRs Küchenregalen standen, dann war es meist dies. Warum man den alten Schinken, der DDR-Standardkost über Regionales, aber kaum Spezielles beschreibt, wieder ausgegraben hat und unverändert neu aufgelegt hat, erschließt sich mir allerdings nicht. Die Methoden zu kochen sind völlig veraltet und entsprechen kaum heutigen Ernährungsregeln. Die Zutatenlisten sind DDR-bedingt äußerst begrenzt und die Fotos erinnern an eine erschreckende Qualität anno dazumal. Vor dem 2 Weltkrieg konnte man bereits bessere Fotos, wenn auch nur in S/W, machen.
So ist dieses Buch bestenfalls eine nette nostalgische Erinnerung, die zum stöbern in eine gute Kochbuchbibliothek gehört.
Wer ein echtes modernes Standardwerk der heutigen Kochkunst zum ernsthaften autodidaktischen Erlernen derselben sucht, dem sei Anne Willan´s "Große Schule des Kochens" ans Herz gelegt.
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