Customer Review:
Darin können Sie sich verlieren...
Pferdebücher gibt es wahrlich genug in dieser Welt, und das in allen Kategorien, von edel bis billig und von wichtig bis zu vollkommen überflüssigen Exemplaren ihrer Gattung, die offensichtlich von vornherein für den Ramschtisch produziert werden. Außerdem bedeuten mir Pferde nicht sonderlich viel. Eigentlich beschäftige ich mich nur mit ihnen, weil meine Liebste eines reitet (einen braven Hannoveraner), weil unsere Töchter inzwischen Reitstunden mit Stallarbeit abarbeiten, weil wir demnächst ein Gestüt beraten sollen, weil- -weil seit ein paar Tagen "Horse Feelings" auf meinem Schreibtisch liegt, prachtvoll ausgestattet, liebevoll gestaltet und sorgfältig verarbeitet, aber glücklicherweise erschwinglich.
Zum Inhalt:
Der Band ist in fünf große Kapitel eingeteilt. Zuerst ein kleines Vorspiel "Das Wesen des Pferdes", das uns eine allgemein gehaltene Einführung bietet in die natürliche Lebensweise der Pferde; danach eine kurze Übersicht über "Die Entwicklungsgeschichte des Pferdes" (ich erlaube mir die Anmerkung, daß ich mit dem Inhalt dieses Kapitels nicht übereinstimme, aber dieser Bereich gehört ohnehin in das weite und vielgestaltige Land der Weltanschauungen, und schön geschrieben ist das zweite Kapitel allemal). Kapitel drei macht uns eingehender vertraut damit, wie die Pferde ihre Welt wahrnehmen, und zwar mit allen fünf Sinnen. Besonders gut gefällt mir, daß Sybille Binder uns auch etwas über "Gourmets auf vier Hufen" erzählt. Wer macht sich schon so liebevoll Gedanken darüber? Kapitel vier macht uns begreiflich, daß - wie bei uns - die fünf Sinne nicht ausreichen, sondern Pferde über etliche sechste Sinne verfügen, also besonders wetterfühlig sind oder ein besonders sensibles Zeitempfinden haben. Es ist erstaunlich, wie einfühlsam Sybille Binder uns gerade diese Fähigkeiten ihrer Pferde nahebringt. Das längste Kapitel ist das fünfte: es umfaßt ein Drittel des Buches und führt uns ein in das Verhalten der Pferde. Zum Glück wird dem Liebesleben der Pferde reichlich Raum gewidmet. Ich wollte immer mal wissen, was einen Hengst zum Hengst macht. Jetzt habe ich eine gewisse Vorstellung davon, bin aber ein wenig verwirrt.
Die Aufmachung
Gabriele Kärcher ist eine versierte und schlichtweg überzeugende Tierphotographin, der es gelingt, überraschende Einstellungen und Augenblicke so authentisch wirken zu lassen, daß wir verzauberte Herumblätterer eine wirkliche Ahnung davon bekommen, was eigentlich das Wesen der Tiere ausmacht, die da abgebildet werden. Und in welchen Pferdebüchern finden wir schon schlau blinzelnde Mungos oder pirschende Löwen? Auch wenn die Geschichte mit den Mungos uns etwas über Verhaltensforschung und das post hoc oder propter hoc des ambitionierteren Darwinismus begreiflich machen soll und über die Fettkämme von Zebrahengsten. Und damit sind wir schon bei den ebenso kenntnisreichen wie unterhalt- und einfühlsamen Texten der klugen Sybille Luise Binder. Die sind den wundervollen Bildern von Gabriele Kärcher absolut ebenbürtig. Sybille Binder gelingt es auf geheimnisvolle Weise, den emotionalen Wert der Bilder zu verstärken und damit dem gesamten Buch eine Tiefe zu verleihen - nicht durchgängig, gewiß, aber immer wieder (und vielleicht habe ich ja auch nicht alles so aufgenommen, wie es hätte aufgenommen werden sollen) -, die ich in anderen Werken dieser Art vermisse. Das Layout ist sehr sachlich. Auffällige Besonderheiten, wie eine sehr agile Handschrift, werden sehr, sehr sparsam aingesetzt. Die Bilder werden immer wieder durch Rahmen gegliedert. Das erscheint mir nicht immer gelungen und könnte sich auf Dauer als etwas zu modisch erweisen. Ein typischer Fall ist der tolle Schimmel auf den Seiten 172 und 173. Auf diesem Bild hat der Rahmen keine andere Funktion, als den Blick des leicht irritierten Betrachters auf den Pferdenacken hinzulenken, von dem im Text gerade die Rede geht. Didaktisch überzeugend, aber schade um den schönen Hengst...
Fazit
Sie sehen, das Buch könnte die Anschaffung lohnen, auch wenn die beiden Verfasserinnen (dazu zähle ich auch die Photographin) ihr Scheitern freimütig in einem sehr schönen Nachwort eingestehen: weder Bilder noch Worte - nicht einmal die sorgsam eingestreuten Shakespeare-Zitate - reichen auch nur annähernd hin, uns auf die Wirklichkeit vorzubereiten: "Doch die Liebe zum Pferd, die wie jede wirkliche Liebe einen neuen Raum im eigenen Menschsein öffnet - die können Sie nur mit und bei den Pferden erleben." Amen.
Wunderschoen, informativ und sehr gut lesbar
Bei Buecher ueber Pferde scheint man oft nur zwei Moeglichkeiten zu haben: Entweder man bekommt Tipps fuer Reiten oder Zucht, sehr informativ, sehr ausfuehrlich und sehr trocken oder man bekommt ein "Bilderbuch" mit wunderschoene Bilder und ein sehr oberflaechlicher Text. "Horse Feelings" ist anders: Es ist ein Buch mit wunderschoenen Bildern, in dem zu Blaettern grosse Freude macht. Es ist aber auch ein Buch, das zu Lesen ein Vergnuegen ist. Es berichtet ueber das Pferd, von seiner Entwicklung, seiner Psyche, seinen Sinnen, seinem Leben in der Natur und es gibt uns einen Einblick in das, was Pferde seit Jahrhunderten fuer Menschen so faszinierend macht. Dabei ist Sibylle Luise Binder's Text von hoher Sensibilitaet, er "belehrt" ohne wir merken es, weil wir uns dabei immer von ihrem Humor unterhalten und von ihrer Waerme angesprochen fuehlen. "Horse Feelings" ist ein Buch fuer zu Verschenken und fuer selbst zu haben.
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