Customer Review:
Kochen mit Liebe
Sie möchten ihren Hund gesund ernähren? Es kann nicht gesund sein, wenn Fertignahrung über zwei Jahre haltbar ist. Da sind Konservierungsstoffe drin, die für einen Hund genauso wenig gesund sind, wie Konservierungsstoffe in menschlicher Nahrung. Es spricht also viel dafür, auch die Nahrung für den Vierbeiner aus frischen Produkten herzustellen. Damit sind dann Rezepte gefragt, die eine optimale Ernährung sicherstellen. Im vorliegenden Buch finden sie diese Rezepte und sollte ihr Hund mehr als 10 kg wiegen, dann rechnen sie die Zutaten einfach 1:1 hoch. Mein Hund erhält sein Futter ausschließlich auf Basis dieser Rezepte und ist gesund und munter, Tierarztbesuche sind nur für die notwendigen Impfungen nötig und er hat eine absolute Traumfigur. Selbstgebackene Leckerchen sind da genauso drin, wie ein hundegerechter Schokopudding.
Theorie und Praxis
Das Buch ist hübsch aufgemacht, die Zubereitungen sind lecker angerichtet und fotografiert. Aber... (m)ein Hund, der das Pech hat bei einem Vollzeit-Berufstätigem Frauchen zu leben*, wird nicht oft in den Genuß dieser Leckereien kommen. (*Dieser Hund geht mit zur Arbeit und ist so nicht den ganzen Tag allein. Das zur Vorbeugung gegen Vorurteile hinsichtlich berufstätiger Hundebesitzer.)
Das Buch richtet sich eher an kocherfahrene Hundeliebhaber, die viel Zeit haben und/oder sowieso die Familie bekochen müssen. Bedenklich finde ich die Empfehlung, das Fleisch größtenteils roh zu verfüttern. Das werde ich sicher meinem Hund nicht antun (Würmer, Salmonellen etc). Auch für den Rat, einen Hund rein vegetarisch zu ernähren, kann ich mich nicht wirklich erwärmen.
Die Belehrungen im Textteil, was ein böser Hundebesitzer seinem Liebling antut, wenn er Fertigfutter füttert, fand ich bischen sehr oberlehrerhaft ebenso wie die Bemerkung, daß die Mikrowelle alles Lebendige tötet!? Was mag die Autorin nur für ein Gerät haben? Zudem ist mir aufgefallen, dass im Buch immer nur von Herr und Hund gesprochen wird, gibts keine Frauen, die Hunde haben??
Weiterhin ist die Kräuterliste zwar informativ, doch ist es mir bisher weder im Reformhaus noch im Bioladen gelungen, auch nur eines dieser Kräuter in welcher Form auch immer zu erstehen.
Alles in allem nehme ich dieses Buch als Anregung für ein paar Leckerchen an besonderen Tagen.
Zweifel an der Kompetenz
Hundeernährung ist in Kreisen ambitionieter Halter eines der wenigen echten Kontrovers-Themen. Und so beginnt das Dilemma dieses Buches bereits damit, dass unklar bleibt, mit welcher Kompetenz sich Gaby Haag zur Expertin aufschwingt. Nur ein Halbsatz lässt erahnen, dass sie in einer Tierarztpraxis arbeit(e)...
Informativ ist das Kapitel über die Hintergründe der Futterbestandteile, ebenso mangelt es nicht an allgemein nützlichen Detailkenntnissen. Dass z. B. rohes Eiklar Vitamin B bindet und ein Enzym blockiert.
Doch die Praxis versagt. Wir erfahren noch, dass Mirkowellen-Aufgewärmtes "unlebendig" ist (warum, bitte?), dass Vollkorn besser ist als weißes Mehl (wer hätte das geahnt).
Aber dann werden wichtige Dinge unteschlagen. Da gibts ein Rezept "Man nehme eine kleine Zwiebel" - ohne auf hämolytische Anämie hinzuweisen, die Zwiebeln bei Hunden auslösen können. In einem anderen ("Man nehme drei gehäufte Esslöffeel unentölten Kakao") wird Theobromin ignoriert. Weißer und brauner Zucker sind zwar tabu - aber mit Honig (der mindestens 80 Prozent Zucker enthält) wird reichlich geaast.
Wahrscheinlich sind alle Rezepte lecker, viele sogar gesund. Aber die Defizite lassen an der Kompetenz der Autorin zweifeln.
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