Prinzessin Mimi. Prinzessin Zizi
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Authors: Vladimir Odoevskij, Peter Urban
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: August 2003
Publisher: Manesse
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diese Erzählungen verführen zum Schwärmen
Mit seiner Übersetzung von Odoevskijs Zwillingserzählungen bringt Peter Urban einen fast vergessenen russischen Autor des 19. Jahrhunderts in unsere Lesestuben zurück, und wir erfahren im Nachwort, vorliegende Erzählungen "bezeichnen den Beginn der 'realistischen' gesellschaftspsychologischen Analyse" in der russischen Literatur. So tauchen wir ein in eine spätaristrokatische Welt, die der Autor ohne Vorbehalt verdammt. In dieser Gesellschaft ist eine junge Frau nur angesehen, wenn sie heiratet. Prinzessin Mimi ist unverheiratet geblieben ("Die Gastgeberin empfing sie mit kalter Höflichkeit, sah sie an wie ein überflüssiges Möbelstück"). Um sich trotzdem in der vornehmen Welt behaupten zu können, schließt sie sich einer Gruppe gleichgesinnter ältlicher Damen an, die sich als "Wahrerinnen der Sittsamkeit" sehen. Sie beobachten, bespitzeln, urteilen über Leben und Tod, ohne aber ihre Urteile praktisch umzusetzen. Ihre Tätigkeit erscheint schlicht und einfach sinnlos, zumal sie sich oft genug in Irrtümer verheddern; mit der Ödnis die Langeweile austreiben, dieses Paradoxon entsteht.
Mimi hat die Baronesse Eliza ins Visier genommen, die, als sie einen alten Baron heiratete, ins Gerede gekommen ist. Heirat aus Berechnung, tuschelte es damals in den Straßen. Eliza ist aber immer darauf bedacht gewesen, ihren äußeren Anstand zu wahren. Das schätzen auch die Sittenwärterinnen an ihr. Und jetzt auf dem Ball tanzt die Baronesse mit einem jungen gutaussehenden Herrn. Mimi, immer noch vergrault, weil Eliza ihr einmal einen Mann ausspannte, neidisch, weil die Baronesse immer noch von allen Seiten bewundert wird, und sie, Mimi, es nie verwunden hat, aus ihrem Jungfernstande nicht heraustreten zu können, entfacht arglistige Rachegelüste. Das ist das Material, aus dem sich die erste Erzählung strickt.
Prinzessin Zizi ist außer Stande zu heiraten, weil sie ihren Schwager liebt. Tragisch, einige Herren verlieben sich in die Prinzessin. Gelegenheiten hätte sie doch... In dieser Erzählung werden die endlosen Qualen unerfüllter Leidenschaft akribisch in Worte gemalt.
Ein tiefer Blick in die russische Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts in sprachlichem Hochglanz. Ein wunderbares Leseerlebnis. Leser russischer Klassiker werden auch an Odoevskij ihre Freude haben, dessen bin ich mir sicher :).
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