Der Esel als Amtmann. Fabeln.Das Tier ist auch nur ein Mensch
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Authors: Gerhard Branstner
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: 1987
Publisher: Klotz, Eschborn
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Vom Esel zum Tiger
Schon seit Äsop wurde immer wieder versucht, politischen Witz und soziale Kritik zu äußern, indem man Herrscher und Beherrschte in der Gestalt sprachbegabter Tiere auftreten ließ. Im Zuge der (bürgerlichen) Aufklärung wurde dann oftmals mittels Fabeln versucht, den Herrschenden eine Spiegel ihrer selbst vors Gesicht zu halten. Branstner steht da mehr in plebejischer Tradition: Er hielt dem (DDR-)Volk den Spiegel vor.
Und so finden sich in den 63 Fabeln dieses Bändchen diverse menschliche Charaktere wieder, wie sie - nicht nur - in der Kulturlandschaft der DDR in den 60er und 70er Jahre anzutreffen waren: den aalglatten Schmeichler und Günstling, den platten Schönredner, den Kritiker, der stets den Mächtigen zum Munde redet, die Schafe, die selbst dem größten Unsinn geduldig zuhören. Es ist das ganzes BESTIARIUM einer Gesellschaft, welches den Lesern da gegenübertritt - und wirkt um so amüsanter, aber auch grotesker, als es diese Gesellschaft jetzt nicht mehr gibt.
Hauptgestalt dieser Gesellschaft - und gleichzeitig Namenspatron dieses Buches - ist der Bürokrat, der sich stets in gemeinnützigen Ämtern breitmacht, wenn kein anderer diese Aufgaben wahrnehmen will. In der Fabel meinte Branstner noch, es würde eine ganze Weile dauern, die Esel in den Ämtern wieder loszuwerden, denn da „das Amt den Esel und der Esel das Amt verdorben hatte, paßten beide ganz gut zueinander". Wie wir heute wissen, waren es der Esel gar zu viele.
Geradezu prophetisch für das gewesene DDR-Volk wirkt daher eine andere Fabel, in der die Tiere die Herrschaft des gutartigen, aber ungeschickten Bären gegen die des infamen Tigers eingetauscht hatten: „Ihr wißt nicht, was ihr wollt, meinte der Fuchs, ihr kanntet den Tiger doch von früher her. Wir kannten ihn vor dem Bären, erklärte der Buchfink, jetzt kennen wir ihn nach dem Bären, und da sieht man ihn doch anders. Erkenntnis ist eben eine Frage der Reihenfolge."
Und ebenso vorausschauend wirkt es, wenn in einer anderen Fabel ausgerechnet das ängstliche Häschen auf die Leiche eines gerade getöteten bösartigen Elefanten einschlägt - wütend, weil dieser ihm nie etwas Böses angetan hatte. Branstner kannte sein Volk.
Zusätzlich interessant wird das Buch dadurch, daß in verschiedenen Fabeln durchaus auch Kritik im heute wieder scheinbar (end-)siegreichen Kapitalismus geübt wird. Denn es war für Branstner nie eine demokratische Alternative zum real Existierenden, wenn es per Gesetz auch den Schafen erlaubt sei, ungestraft die Wölfe zu fressen.
Außer den jeweils mit einem hintergründigen Sinn-Spruch versehenen Fabeln Branstners machen die sehr gelungenen und teilweise mehr als frechen Illustrationen von Hans Ticha die Lektüre dieses Buches zu einem wahren Genuß.
gb.
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